Dienstag, 26. Februar 2008

Die Angst aus heiterem Himmel - Panikattacken in den Griff bekommen

Die Panik kommt immer ganz plötzlich. Grundlos fängt das Herz an zu rasen, die Luft bleibt weg, der Körper schwitzt und zittert. Die Betroffenen können sich die Angstanfälle aus heiterem Himmel oft nicht erklären. Eine psychotherapeutische oder psychiatrische Behandlung ist meist der einzige Ausweg. Damit ist aber auch die Aussicht auf ein Leben ohne die plötzliche Panik gut.

Bei der sogenannten Panikstörung fürchten sich die Menschen davor, entweder zu sterben, verrückt zu werden oder die Kontrolle über sich selbst zu verlieren. Ihre Sorge rechtfertigen sie mit den tatsächlichen körperlichen Symptomen. "Es ist nichts Eingebildetes, sondern der Körper reagiert mit Angst zu einem Zeitpunkt, wo das nicht angemessen ist", sagt Alexander Gerlach, Privatdozent an der Universität Münster.

Genau an diesem Punkt setzt die kognitive Verhaltenstherapie an: Es soll deutlich werden, dass es keine akute Gefahr für die Gesundheit gibt. Scham vor anderen für ihr Verhalten empfinden die Betroffenen meist nicht, denn sie haben ja die Überzeugung, dass körperlich etwas nicht mit ihnen stimmt. "80 Prozent der Patienten kann damit wirklich gut geholfen werden", sagt Gerlach. Derzeit arbeitet der Diplom-Psychologe im Verbund mit anderen Wissenschaftlern an einem vom Bundesforschungsministerium unterstützten Therapieprojekt, das die Wirksamkeit dieser Behandlungsform weiter untersuchen soll.

Zur Panikstörung kommt oft noch die Agoraphobie, also die Angst vor freien Plätzen. Die Menschen meiden dann Orte, von denen eine Flucht schwierig sein könnte oder wo ein Notarzt schlecht hinkommen kann. Auch Kaufhäuser, Restaurants oder öffentliche Verkehrsmittel streichen sie aus ihrem Alltag. "Im schlimmsten Fall ist es wirklich so, dass Personen nicht mehr in der Lage sind, das eigene Haus zu verlassen", sagt Gerlach. Ein normales Leben wird dann immer schwerer möglich, weil die Angst vor der Angst den Alltag bestimmt.

Um sich dauerhaft von der lähmenden Furcht zu befreien, müssen die Personen das tun, wovor sie sich am meisten fürchten: Sie müssen ihre Angst durchleben. "Kern der Behandlung ist, dass sie lernen, mit der Angst auf eine nicht angstvolle Art und Weise umzugehen", erklärt Psychotherapeut Gerlach. Dafür müssen sie nach seinen Worten aktiv die Situationen aufsuchen, die sie in unerwarteten Schrecken versetzen.

Auch Stephan Welz lernte in einem Panik-Management-Kurs, seine Angstattacken in den Griff zu bekommen. "Es hat etwa ein Jahr gedauert, bis ich wieder eine akzeptable Lebensqualität erworben hatte", beschreibt der 44-Jährige seinen Kampf gegen die Angst, die er nun seit mittlerweile zehn Jahren los ist.

Den Auslöser für seine Panikstörung mit Agoraphobie sieht Welz heute in seinem damaligen Lebenswandel, der von zu viel Arbeit, zu wenig Sport und ungesunder Ernährung geprägt war. Irgendwann zog er die Notbremse und krempelte sein Leben um. Neben Sport und ausgewogener Ernährung bestimmt Meditation sein neues Leben. "Es ist jetzt nichts mehr übrig von meiner Angst, obwohl ich heute mehr beruflichen Stress habe als damals", erklärt der Informatiker.

Als Betreiber der Selbsthilfe-Website http://www.angstportal.de/ versucht Welz, andere Menschen beim Weg aus der Angst zu unterstützen. "Viele Menschen kommen auf meine Seite, um sich erstmal zu informieren. " Dennoch rät er dazu, nicht allein zu bleiben mit dem Problem. "Mein Rat für alle Betroffenen ist, so schnell wie möglich zu handeln und ihren Zustand zu akzeptieren."

Panikattacken müssen nicht immer grundlos und unerklärlich bleiben. So können auch traumatische Erlebnisse oder andere Auslöser Menschen so extrem in Schrecken versetzen. Wenn der Grund für die Angst aber bekannt ist, sprechen Wissenschaftler von einer Phobie.

Die Ursachen des Phänomens der plötzlichen Panik beschäftigt die Wissenschaft nach wie vor. Einer Forschungsgruppe der Technischen Universität Dresden ist es kürzlich gelungen, zumindest einen familiären Zusammenhang bei Panikstörungen auszumachen. Eine Studie unter 3000 Familien ergab, dass Kinder panikkranker Eltern ein zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko haben, ebenfalls den unerwarteten Angstanfällen ausgeliefert zu sein.

Mehr Infos unter: http://www.panikinfo.de/; http://www.sorgenambulanz.de/; http://www.angstportal.de/

Quelle Aponet de

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