Sonntag, 24. März 2013

Ein kleiner Konzentrationstest zum Ausprobieren. Es ist etwas schwierig, aber nicht unmöglich.
Konzentrieren sie sich bei diesem Video ausschließlich auf die weißen Mitspieler des Basketballspiels und versuchen sie die Anzahl der Pässe des weißen Teams zu zählen.







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Dienstag, 29. Januar 2013

Arztreport 2013 - Schwerpunktthema ADHS

Berlin (29.01.2013). In Deutschland wächst eine "Generation ADHS" heran: Unter Kindern und Jugendlichen bis 19 Jahre – so der heute in Berlin vorgestellte Arztreport 2013 der Barmer GEK – kletterte die Zahl diagnostizierter Aufmerksamkeits-/Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) zwischen 2006 und 2011 von 2,92 auf 4,14 Prozent. Das entspricht einem Zuwachs von 42 Prozent. Altersübergreifend ist der Bevölkerungsanteil mit einer ADHS-Diagnose sogar um 49 Prozent gestiegen (von 0,61 auf 0,92 Prozent der Bevölkerung).

Im Jahr 2011 wurde ADHS bei rund 750.000 Personen festgestellt (552.000 Männer, 197.000 Frauen). Mit rund 620.000 Personen entfiel das Gros auf die Altersgruppe bis 19 Jahre (472.000 Jungen, 149.000 Mädchen). Besonders hohe Diagnoseraten seien zum Ende des Grundschulalters vor dem Übergang auf weiterführende Schulen zu verzeichnen, so die Reportautoren Dr. Thomas G. Grobe und Prof. Dr. Friedrich W. Schwartz vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung (ISEG) in Hannover. Dies könne unter anderem auch die Erwartungshaltungen der Eltern widerspiegeln. "In Deutschland wird immer häufiger ADHS diagnostiziert, obwohl das öffentliche und fachliche Bewusstsein für dieses Erkrankungsbild bei uns schon seit mehr als einem Jahrzehnt hoch ist", so Schwartz.


Dr. Rolf-Ulrich Schlenker, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Barmer GEK, sieht die Entwicklung der Diagnoseraten mit Sorge: "Dieser Anstieg erscheint inflationär. Wir müssen aufpassen, dass ADHS-Diagnostik nicht aus dem Ruder läuft und wir eine ADHS-Generation fabrizieren. Pillen gegen Erziehungsprobleme sind der falsche Weg." Es komme auf trennscharfe Diagnosen an. Außerdem gebe es eine Reihe von Therapieoptionen wie zum Beispiel ein effektives Elterntraining oder Verhaltenstherapie. "Ritalin darf nicht per se das Mittel der ersten Wahl sein."

Junge Eltern überfordert?
Die Wissenschaftler aus Hannover ermittelten erstmals einige Eltern-abhängige Faktoren, die das Risiko für eine ADHS-Diagnose und die Verordnung von Medikamenten mit Methylphenidat bei Kindern beeinflussen. Demnach gibt es mit steigendem Ausbildungsniveau der Eltern ein sinkendes Risiko. Kinder arbeitsloser Eltern sind häufiger betroffen, ADHS wird bei Kindern von Gutverdienern tendenziell seltener diagnostiziert. Auch gibt es Hinweise darauf, dass Kinder jüngerer Eltern ein höheres Diagnose-Risiko haben als diejenigen von Eltern mittleren Alters. So erhalten Kinder mit einem Elternteil im Alter zwischen 20 und 24 Jahren etwa 1,5 mal häufiger eine ADHS-Diagnose als Kinder mit Eltern zwischen 30 und 35 Jahren. "Ob das an einer größeren Gelassenheit von Eltern im fortgeschrittenen Alter liegt oder an Erziehungsproblemen jüngerer, bleibt offen", sagt Schlenker.

ADHS-Hochburg Würzburg
Auffällig sind auch die regionalen Unterschiede, wobei die Region Würzburg hervorsticht, so Grobe. Während die ADHS-Diagnoserate bei Jungen im Alter von zehn bis zwölf Jahren im Jahr 2011 im Bundesdurchschnitt bei knapp 12 Prozent lag, haben Ärzte in Unterfranken diese Diagnose bei 18,8 Prozent der Jungen dieser Altersgruppe gestellt. Bei Mädchen waren es bundesdurchschnittlich ca. 4 Prozent gegenüber 8,8 Prozent in Unterfranken. Bei der Arzneimitteltherapie tritt der Unterschied noch deutlicher zutage: Im Alter von zehn bis zwölf Jahren erhielten bundesweit rund 6,5 Prozent der Jungen eine Verordnung – in Unterfranken waren es mit 13,3 Prozent mehr als doppelt soviel (Mädchen ca. 5,5 Prozent vs. 2 Prozent im Bundesdurchschnitt). "Auffällig sind jedenfalls die gegenüber dem Bundesdurchschnitt höheren Diagnoseraten der Hausärzte und speziell der Kinder- und Jugendpsychiater." Letztlich blieben die Ursachen für den ADHS-Boom im Raum Würzburg aber unklar, so Schlenker.

Jeder fünfte Junge mit ADHS-Diagnose, jeder zehnte mit Ritalin-Rezept
In der bundesweiten Verlaufsbetrachtung erhöht sich der Anteil noch einmal: So waren fast 20 Prozent aller Jungen, die im Jahr 2000 geboren wurden, zwischen 2006 und 2011 von einer ADHS-Diagnose betroffen. Bei den Mädchen dieses Jahrgangs waren es 7,8 Prozent. Im Laufe ihres Lebens müssen nach ISEG-Schätzungen ein Viertel aller Männer und mehr als 10 Prozent aller Frauen mit einer ADHS-Diagnose rechnen. Bleiben bei den Berechnungen Personen mit nur einmaliger Diagnose unberücksichtigt, sind nach ISEG-Schätzungen immer noch rund 20 Prozent der Männer und 8 Prozent der Frauen betroffen.

Die Verordnungsraten von Methylphenidat, besser bekannt unter dem Handelsnamen Ritalin, sind zwischen 2006 und 2011 gestiegen, wobei die Menge der verordneten Tagesdosen nach 2010 erstmals zurückging. Die höchsten Verordnungsraten finden sich im Alter von elf Jahren. In diesem Alter erhielten 2011 rund 7 Prozent der Jungen und 2 Prozent der Mädchen eine Verordnung. Insgesamt wurde Methylphenidat rund 336.000 Personen verschrieben. Im Laufe der Kindheit und Jugend dürften damit schätzungsweise 10 Prozent aller Jungen und 3,5 Prozent aller Mädchen mindestens einmal Methylphenidat erhalten.

Detailgenaues Bild ärztlicher Versorgung: Kontaktraten weiter hoch
Neben dem Schwerpunktthema ADHS zeichnet der BARMER GEK Arztreport ein detailliertes Bild der ambulanten ärztlichen Versorgung in Deutschland. Demnach gibt es 2011 eine Behandlungsrate von 92,4 Prozent. Nur knapp 8 Prozent der Bevölkerung hatten damit keinen Kontakt zu einem Arzt. Im statistischen Durchschnitt wurden für jeden Versicherten 2011 pro Quartal etwas mehr als zwei Behandlungsfälle abgerechnet, im gesamten Jahr 8,23 Behandlungsfälle (absolut 673 Millionen Fälle) und damit etwas mehr als 2010. Die Zahl der Arztkontakte – nur abzuschätzen durch Rückschlüsse aus den Behandlungsfällen – dürfte weiterhin auf dem hohen Niveau von 2008 liegen, als 18,1 Kontakte ermittelt worden waren.

Ob der Wegfall der Praxisgebühr zum 1. Januar 2013 zu einer höheren Inanspruchnahme von Fachärzten unter Umgehung von Hausärzten führt, bleibt bisher noch Spekulation. Belastbare Zahlen werden frühestens im Jahr 2014 erwartet.


Quelle Barmer-GEK

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Dienstag, 15. Januar 2013

Depression nach Herzinfarkt:

Wahrnehmung der Bedrohung entscheidend für Genesung

Einer aktuellen Forschungspublikation zufolge weisen Patienten, die unmittelbar nach ihrem Herzinfarkt diesen als starke Bedrohung empfinden, ein höheres Depressionsrisiko auf. Die Ergebnisse dieser Studie können entscheidend zu einer besseren Betreuung von Herzpatienten beitragen. „Überlebende eines Herzinfarkts erkranken in den ersten sechs Monaten nach ihrem Herzinfarkt dreimal häufiger an Depressionen als Menschen ohne Herzerkrankung. Ohne Behandlung verschlechtert sich die Prognose und führt zum Beispiel zu weiteren kardialen Ereignissen und möglicherweise auch zum Tod. Die Ursachen für das häufige Auftreten von Depressionen nach Herzinfarkten sind noch unklar“, so Prof. Claus Vögele, Erstautor und Professor für Klinische Psychologie und Gesundheitspsychologie an der Universität Luxemburg.

36 Herzpatienten wurden fünf bis fünfzehn Tage nach ihrem ersten Herzinfarkt, sechs bis acht Wochen später und noch einmal sechs Monate später zu ihren krankheitsspezifischen Symptomen sowie zu ihrer Müdigkeit, allgemeinen Gesundheit, Arbeit und Familie befragt. Depressivität wurde mit Fragebögen bewertet, die Depressionsdiagnosen wurden anhand eines strukturierten klinischen Interviews erstellt. Um die individuellen Strategien der Patienten für die Verarbeitung ihrer Erfahrungen zu untersuchen, wurde sie unter anderem dazu befragt, wie häufig und intensiv sie über den Herzinfarkt nachgrübeln, oder ob sie die erfahrene Bedrohung minimieren, sie versuchen sich Informationen zu beschaffen oder einen Sinn in der Religion suchen.

Die Ergebnisse gehören zu den ersten, die zeigen, dass die Art und Weise, in der Patienten mit einem Herzinfarkt umgehen, unmittelbare Auswirkungen auf die Wahrscheinlichkeit einer Depression hat. Wenn sie den Herzinfarkt zum Beispiel weiterhin als ernste Bedrohung wahrnehmen, werden sie mit einer höheren Wahrscheinlichkeit – selbst noch Wochen nach dem Infarkt – an Depressionen erkranken. Wenn die Patienten andererseits Wege finden, sich auf ihre Genesung zu konzentrieren, und Freunde und Familie um Unterstützung bitten können, ist die Depressionsgefahr wesentlich geringer.

„Mit diesen Ergebnissen kann Patienten zu einer positiveren Lebensperspektive verholfen werden, selbst nach einem so lebensbedrohenden Ereignis“, erklärt Prof. Vögele, der an der Universität Luxemburg eine Forschungsgruppe zu Selbstregulation und Gesundheit leitet. „Psychologische Hilfe in der Zeit direkt nach dem Infarkt, zum Beispiel in den ersten beiden Wochen, kann Patienten vor einer Depression schützen und so zu einer erfolgreichen Genesung beitragen.“

Quelle Informationsdienst Wissenschaft idw
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Montag, 31. Dezember 2012

Nachhaltigkeit

Dezember 2012

"Nachhaltiger Konsum ist ein Trend mit Wachstumschancen" Ein Interview mit Lucia Reisch.

Lucia Reisch ist Professorin für interkulturelles Konsumentenverhalten und Verbraucherpolitik an der Copenhagen Business School sowie an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen und Mitglied im Rat für Nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung. Im Interview mit bmbf-online verrät sie, warum die Kommunikation für nachhaltigen Konsum von kommerziellem Marketing lernen sollte, und wie einfach es ist, nachhaltig zu schenken. bmbf-online: Frau Professor Reisch, Sie erforschen und lehren Konsumverhalten und Verbraucherpolitik. Nachhaltigkeit ist zu Weihnachten ein vieldiskutiertes Thema. Nachhaltig schenken - geht das?

Professor Dr. Lucia A. Reisch©Rat für Nachhaltige EntwicklungReisch: Aber unbedingt. Schauen Sie mal in den sozialen Netzwerken für strategischen Konsum, da gibt es jeden Tag schöne und nützliche Beispiele. Ich kenne auch einige Familien, die der Kommerzialisierung bewusst entgegentreten und ein Geschenkemoratorium ausgerufen haben - Kinder ausgenommen, natürlich - und statt dessen mit einer größeren Spende gezielt soziale oder Umweltprojekte unterstützen. Ein in mehrfacher Hinsicht sehr nachhaltiges Geschenk ist sicherlich auch eine ethisch-ökologische Sparanlage für Kinder und Jugendliche bei einer Kirchen- oder Umweltbank. In Fachzeitschriften, wie "Finanztest", kann man nachlesen, was sich für welche Sparziele eignet. Und nach wie vor ist das schönste Geschenk Hinwendung und Zeit - verpackt in Selbstgemachtes oder eine gemeinsame Unternehmung.

bmbf-online: Haben wir in Deutschland in den vergangenen Jahren gelernt, nachhaltiger zu konsumieren?

Reisch: Wenn man den Markt betrachtet, dann sehen wir eine Zunahme bei fair gehandelten und vor allem bei regionalen Nahrungsmitteln, eine trotz Finanzkrise stabile Nachfrage an Bio-Lebensmitteln, eine steigende Nachfrage nach ethisch-ökologischen Geldanlagen, nachhaltiger Mode, sanftem Tourismus und Ähnlichem. Nachhaltiger Konsum ist ein Trend mit Wachstumschancen, aber überwiegend noch nicht massentauglich. Interessant ist aber, dass dieser Trend auch die konventionellen Produkte beeinflusst - deren Design, Rezepturen und Transparenzanforderungen.

bmbf-online: Aber ist Konsum nicht noch mehr?

Reisch: Richtig. Konsum ist nicht nur der Akt des Kaufens, sondern umfasst die ganze Kette von Bedürfnis- und Bedarfsreflexion. Dazu gehört auch das Nichtkaufen, Selbermachen, Tauschen, Teilen und das gemeinsame Nutzen. Konsum ist auch Eigenproduktion, denken wir an die neue Lust am Gärtnern - das "Urban Gardening" -, den Spaß am gemeinsam Kochen und Designen, Reparieren oder auch die neue Begeisterung für genossenschaftliche Energieproduktion. Immer mehr Menschen machen auch Politik mit dem Geldbeutel: Sie organisieren sich beispielsweise in Flashmobs und bestrafen oder belohnen das Verhalten von Unternehmen. Die Macht dieser Konsumentenbürger ist heute deutlich grösser als in vor-virtuellen Zeiten. In der digitalen Gesellschaft ist Unternehmensgebaren viel transparenter.

bmbf-online: Und im Vergleich der Kulturen: Gibt es da Unterschiede in Europa?

Reisch: Die gibt es. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Biolebensmitteln beispielsweise ist in Dänemark, Österreich und der Schweiz deutlich höher als in anderen Ländern. Dies hat aber weniger mit der Kultur zu tun als mit Marktstrukturen, Subventionen von Branchen und Sektoren und glaubwürdigen staatlichen Bio-Siegeln. Wichtig ist auch die Rolle der Industrie: Wenn beispielsweise in einem Land die Textilwirtschaft und das Modedesign wirtschaftlich eine große Rolle spielen wie in Schweden, dann wird dieser Markt auch von Unternehmen mehr gefördert und es gibt mehr und attraktivere Angebote als in anderen Ländern. Im Vergleich zu den Vereinigten Staaten sind die Europäer insgesamt deutlich mehr an nachhaltigen Produkten und Dienstleistungen interessiert.

bmbf-online: Menschen treffen täglich Konsumentscheidungen und handeln dabei meist nicht rational. Welche Rolle spielen Emotionen beim Einkauf?

Reisch: Motivation zum Handeln ist immer auch emotional, so sind wir Menschen gestrickt. Die Neuroökonomie hat das wunderbar empirisch gezeigt. Wir reagieren auf Belohnungen und Bestrafungen, vor allem auf soziale Ausgrenzung. Zudem entwickeln wir emotionale Beziehungen zu Marken und erleichtern damit unsere Kaufentscheidungen. Insofern ist zum Beispiel der Markenkauf eine sehr sinnvolle, da energie- und zeitsparende Strategie der menschlichen Psyche. Die Kommunikation für nachhaltigen Konsum kann da noch viel vom kommerziellen Marketing lernen. Über Vernunftargumente werden nur wenige Konsumenten erreichbar sein. Und gegen soziale Normen - das umfasst auch Moden und Lebensstile - lässt sich kaum eine Verhaltensänderung durchsetzen.

bmbf-online: Wäre es nicht einfacher, schlicht weniger zu konsumieren?

Reisch: Natürlich. Wir nennen das die Suffizienzstrategie, also: Weniger ist mehr. Allerdings wird sie eher Sache einer Minderheit bleiben oder sich auf einzelne Produkte begrenzen: Kein Fleisch mehr, kein Palmöl, keine großen Autos, weniger und langlebige Kleidung. Das eigentliche Problem dabei: Suffizienz wird wenig diskutiert weil weniger Konsum unter den Bedingungen des heutigen Wirtschaftssystems auch weniger Wachstum bedeutet. Richtig wäre die Suffizienzstrategie natürlich. Und möglich auch, wenn man gleich die Rahmenbedingungen und Wirtschaftsstrukturen mit verändert.

bmbf-online: Also ist gesellschaftliches Wohlbefinden nicht an Wirtschaftswachstum gekoppelt?

Reisch: Wenn Sie Wohlfahrt, Zufriedenheit und postmateriellen Wohlstand meinen, dann eben nur bis zu einem gewissen Punkt. Wohlstand umfasst ja auch Zeitwohlstand, gesunde Umwelt, Lebensqualität. Ab einem gewissen materiellen Niveau, das in etwa der Mittelklasse der heutigen Konsumgesellschaften entspricht, scheint zusätzliches persönliches Einkommenswachstum nicht oder kaum noch zur Lebensqualität beizutragen. Dies hängt vor allem mit zwei Dingen zusammen: Zum einen verwenden die allermeisten Menschen ein relatives Wohlstandskonzept. Es ist wichtiger, wo in der Wohlstandspyramide einer Gesellschaft man steht als wie viel man absolut hat. Zum anderen tritt ab einem gewissen Einkommen das Materielle in Zeit- und Aufmerksamkeitskonkurrenz zu anderen erfüllenden Aktivitäten. Und diese sind laut Glücksforschung genau diejenigen, die uns nicht nur zufrieden, sondern glücklich machen.

bmbf-online: Sie sind Mitglied im Rat für Nachhaltige Entwicklung. Seine Aufgabe ist es, die nationale Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung zu begleiten. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert in einem umfassenden Rahmenprogramm die Forschung für nachhaltige Entwicklungen (FONA) und hat auch sein "Wissenschaftsjahr 2012" der Nachhaltigkeit gewidmet. Warum sind diese Projekte und Fördermaßnahmen so wichtig?

Reisch: Die Probleme drängen und die Menschen stellen die sie bedrängenden Fragen: Kann man den Klimawandel noch stoppen? Wieso geht es mit der Energiewende nur langsam voran? Welche Möglichkeiten haben Konsumenten? Wie kommuniziere ich meinen Kunden nachhaltigere Angebote? Deutschland ist weltweit ein Spitzenreiter in Sachen Umwelt- und Energie. Spätestens seit der Energiewende schaut die Welt auf uns. Dies bedeutet auch eine besondere Verantwortung für die Wissenschaft.

Quelle Bundesministerium für Bildung und Forschung

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Mittwoch, 29. August 2012

Die molekularen Ursachen der Internetsucht
August 2012 Internetsucht ist in aller Munde:
Viele Menschen tummeln sich stundenlang online und fühlen sich sofort unwohl, wenn sie dazu einmal keine Möglichkeit haben. Medizinisch ist das Phänomen noch nicht so klar erfasst, wie etwa die Nikotin- oder Alkoholabhängigkeit. Doch eine Studie von Forschern der Universität Bonn und des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim gibt nun Hinweise darauf, dass es auch bei Internetsucht molekulargenetische Zusammenhänge gibt.
Die Wissenschaftler berichten im „Journal of Addiction Medicine“ über ihre Ergebnisse.
Die Druckfassung erscheint jetzt in der Septemberausgabe.
„Es zeigt sich, dass Internetsucht kein Hirngespinst ist“, sagt der Erstautor Privatdozent Dr. Christian Montag von der Abteilung für Differentielle und Biologische Psychologie der Universität Bonn. „Sie rückt zunehmend in den Fokus der Wissenschaftler und Therapeuten.“
Die Bonner Forscher haben im Lauf der letzten Jahre insgesamt 843 Menschen zu ihrem Internetverhalten befragt. Nach Auswertung der Fragebögen zeigte sich, dass davon 132 Frauen und Männer ein problematisches Verhalten im Umgang mit dem Online-Medium aufweisen: Sie befassen sich im Alltag gedanklich sehr ausgeprägt mit dem Internet und fühlen sich in ihrem Wohlbefinden stark beeinträchtigt, wenn sie darauf verzichten müssen.

Häufung einer Genvariation bei Internetabhängigen
Die Forscher der Universität Bonn und des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim verglichen das Erbgut der problematischen Internetnutzer mit gesunden Kontrollpersonen. Dabei stellte sich heraus, dass bei den 132 Probanden deutlich häufiger eine Veränderung in einer bestimmten Genregion vorlag, die unter anderem auch bei Nikotinabhängigkeit eine große Rolle spielt.
„Vom nikotinergen Acetylcholinrezeptor im Gehirn ist bekannt, dass eine Mutation auf dem dazu gehörigen Gen das Suchtverhalten fördert“, erläutert Dr. Montag. Das im Tabak vorkommende Nikotin passt genauso wie das vom menschlichen Körper produzierte Acetylcholin wie ein Schlüssel auf diesen Rezeptor. Beide Botenstoffe spielen eine wichtige Rolle für die Aktivierung des Belohnungssystems im Gehirn.
„Dieser Zusammenhang ist offenbar nicht nur für die Nikotinsucht von großer Bedeutung, sondern ebenso für die Internetsucht“, berichtet der Bonner Psychologe.

Frauen sind stärker von der Mutation betroffen
Es handelt sich konkret um eine Mutation auf dem Gen „CHRNA4“, die das Erbgut für die Untereinheit „alpha 4“ am nikotinergen Acetylcholinrezeptor verändert. „Diese Variante tritt innerhalb der Probandengruppe mit problematischem Internetverhalten gehäuft auf – insbesondere bei Frauen“, sagt Dr. Montag.
Dieser Befund muss noch näher untersucht werden, weil dagegen in zahlreichen Befragungen herauskam, dass eher Männer als Frauen zu Online-Suchtverhalten neigen. „Möglicherweise ist der geschlechtsspezifische genetische Befund auf eine spezielle Untergruppe der Internetabhängigkeit wie zum Beispiel die Nutzung von sozialen Netzwerken oder Ähnliches zurückzuführen“, vermutet der Psychologe.

Besserer Suchtnachweis durch biologische Marker
Es seien noch Studien mit mehr Probanden erforderlich, um den Zusammenhang zwischen der Mutation und dem Internetsuchtverhalten weiter zu untersuchen. „Die Daten zeigen aber bereits jetzt, dass es deutliche Hinweise auf molekulargenetische Ursachen der Internetsucht gibt“, sagt der Psychologe der Universität Bonn. Mit der Mutation sei nun auch ein biologischer Marker gefunden, mit dem sich das Online-Suchtverhalten neurowissenschaftlich charakterisieren lasse. „Wenn solche Zusammenhänge besser verstanden sind, ergeben sich daraus außerdem wichtige Anhaltspunkte für bessere Therapien“, sagt Dr. Montag.

Quelle Informationsdienst Wissenschaft idw
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Freitag, 6. Juli 2012

Informatik und Schule

Hier das Werbevideo zum letzten Artikel. Eigentlich unverständlich, warum ein fortschrittliches Land wie Deutschland ein so veraltetes Schulsystem hat. Zumindest vom Lehrinhalt her. Mindestens alle 50 Jahre sollte das in den Schulen vermittelte Wissen doch mal auf den neuesten Stand gebracht werden. Eigentlich. Read more!

Rückenwind für Informatik in Schulen

Juli 2012 IT-Fachkräfte sind rar, aber Informatik fristet als Schulfach vielerorts noch ein Schattendasein.
Um dies zu ändern, wurde aus privaten Sponsorengeldern ein Werbefilm produziert, der gemeinsame mit einer neuen Webseite heute Premiere feierte. Der Film möchte Schüler, Lehrer und Eltern anregen, sich für mehr Informatikunterricht an ihrer Schule einzusetzen.
Die Informationstechnologie und vor allem das Internet gewinnen immer mehr Bedeutung im Alltagsleben von Kindern. Da sich die Facetten und Anwendungen sehr schnell ändern, sollten die Kinder nicht nur wissen, welche Möglichkeiten diese bieten, sondern auch die Grundprinzipien verstehen, nach denen sie funktionieren.

Der heute online gestellte Film läuft, neben YouTube, auf der zugehörigen Internetseite http://www.mehr-informatikunterricht.de. Hier wurden darüber hinaus viele Hinweise und Argumente zusammengestellt, die bei der Etablierung von Informatikunterricht helfen. „Die Webseite soll aufzeigen, dass man mit seinem Wunsch nach gutem Informatikunterricht nicht allein ist. Sie bietet aber vor allem Unterstützung durch Verweise auf gute Beispiele.
Ebenfalls enthält die Webseite Angebote zum Austausch mit Schulen, die das Fach erfolgreich eingeführt haben oder eine persönliche Beratung, zum Beispiel durch mich“, erläutert Prof. Dr. Ira Diethelm, die das Filmprojekt leitete und die Webseite dazu ins Leben rief. Der Film entstand als Reaktion auf die Preisverleihung „Informatik in Schulen“ im März 2011, auf der auch Dr. Joachim Gauck sprach. Hier wurde deutlich, wie selten Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit haben, Informatikunterricht in ihrer Schule anzuwählen.

So sitzen nur 5% der Oberstufenschüler in Niedersachsen in einem Informatikkurs, in der Mittelstufe gibt es meist gar kein Informatikangebot. Im Vergleich zu anderen Bundesländern ist Niedersachsen in diesem Feld fast das Schlusslicht. Nicht gut, denn gerade auch die Schüler, die später nicht Informatik studieren möchten, müssen in der Schulzeit auf die sich ständig wandelnden Erscheinungsformen von Informationsverarbeitung vorbereitet werden, damit sie im Alltag und im späteren Beruf ihren Einsatz beurteilen und verantwortungsvoll mit ihnen umgehen können.
Flankiert werden die Webseite und der Animationsfilm durch den Wettbewerb „Informatik in Schulen 2012“ der Stiftung der Metallindustrie im Nord-Westen. Die Stiftung zeichnet Schulen für ihr beispielhaftes Angebot an Informatikunterricht aus. Die Ausschreibung für den diesjährigen Wettbewerb ist kürzlich veröffentlicht worden und fordert Schulen auf, ihre Konzepte für Informatikunterricht in den Klassen 5-9 bis November einzureichen. Die letzte Wettbewerbsrunde schlug sogar Wellen bis in den Niedersächsischen Landtag, da hieraufhin eine Anfrage zum Informatikunterricht in den Landtag eingebracht und im Januar 2012 beantwortet wurde. Unter anderem wurde darin die geringe Zahl von Schülern in Informatikkursen bestätigt und auch, dass Oldenburg sowohl in der Ausbildung von Informatiklehrkräften als auch in ihrer Fortbildung einen, wenn nicht den wichtigsten Standort in Niedersachsen darstellt.

Quelle Informationsdienst Wissenschaft idw  Read more!

Mittwoch, 23. Mai 2012

Generation TV

Generation TV: In 39 Prozent der deutschen Kinderzimmer flimmert der Fernseher

In mehr als einem Drittel der deutschen Kinderzimmer steht ein Fernseher / Computer, Spielkonsole, iPod und Handy dürfen ebenfalls nicht fehlen, das ergibt eine repräsentative Studie von immowelt.de, eines der führenden Immobilienportale / Bildungsgrad und Einkommen der Eltern bei der Geräteauswahl entscheidend Nürnberg, 09. Mai 2012.

Allen medienkritischen Erziehungsratschlägen zum Trotz: 39 Prozent der Kinderzimmer in Deutschland sind mit einem Fernseher ausgestattet. Das ergibt eine repräsentative Umfrage von immowelt.de, eines der führenden Immobilienportale. Neben der Flimmerkiste sorgt in 32 Prozent der Haushalte ein eigener DVD-Player für die elektronische Unterhaltung im Kinderzimmer. Reichlich Elektronik für zu Hause und unterwegs.

Überhaupt ist der deutsche Nachwuchs bestens mit Gebrauchs- und Unterhaltungselektronik versorgt: Aus jedem zweiten Kinderzimmer sind Spielkonsole und iPod oder MP3-Player nicht mehr wegzudenken. 59 Prozent nutzen für Hausaufgaben, Computerspiele, Facebook und Co. den eigenen PC oder Laptop, für die Kommunikation unterwegs sorgt bei 41 Prozent das eigene Handy. In jedem fünften Kinderzimmer liegt außerdem ein Smartphone bereit. Mehr Bildung, weniger Fernseher.

Mit wie vielen und welchen Geräten ein Kinderzimmer ausgestattet ist, hängt auch von Bildungsstand und Einkommen der Eltern ab. Je höher deren Bildungsabschluss, desto weniger Spielkonsolen, Fernseher und Mobiltelefone finden sich im Kinderzimmer. Dafür bestücken Eltern mit höherem Abschluss Kinderzimmer öfter mit einem Computer oder Laptop (56 Prozent) als Eltern mit niedrigem Abschluss (42 Prozent).

Je höher das Einkommen der Eltern, desto prestigeträchtiger und häufiger ist auch das elektronische Equipment des Kinderzimmers mit Computer, Mobiltelefon und iPod/MP3-Player.

Die Ergebnisse der Studie im Überblick: Welche Unterhaltungselektronik-Geräte befinden sich im Kinderzimmer Ihrer Wohnung?



• Fernseher: 39 Prozent

• DVD-Player: 32 Prozent

• Spielkonsole: 51 Prozent

• PC: 37 Prozent

• Laptop: 22 Prozent

• iPod/MP3-Player: 50 Prozent

• Handy: 41 Prozent

• Smartphone: 21 Prozent

Ist das Kinderzimmer Ihrer Wohnung mit einem PC/Laptop ausgestattet?

• Ja: 59 Prozent der Eltern mit hohem Bildungsabschluss

• Ja: 56 Prozent der Eltern mit mittlerem Bildungsabschluss

• Ja: 42 Prozent der Eltern mit niedrigem Bildungsabschluss

Für die repräsentative Studie „Wohnen und Leben 2012“ wurden im Auftrag von immowelt.de 1.012 Personen durch das Marktforschungsinstitut Innofact befragt.

Quelle Immowelt.de
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Samstag, 7. April 2012

Therapieansatz für Schwerstdepressive

April 2012 Hirnschrittmacher haben bei Patienten mit schwersten Depressionen einen Langzeiteffekt. Das haben nun Wissenschaftler der Universitätsklinik Bonn nachgewiesen. Elf Patienten nahmen an der Studie über einen Zeitraum von zwei bis fünf Jahren teil. Bei knapp der Hälfte der Probanden wurde nachhaltig eine Reduktion der Symptome um mehr als 50 Prozent nachgewiesen. Damit eröffnet sich für Menschen mit schwersten Depressionen, die auf keine andere Therapie ansprechen, eine neue Perspektive. Die Ergebnisse werden jetzt in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Neuropsychopharmacology“ vorgestellt.

Menschen mit schweren Depressionen sind ständig niedergeschlagen, antriebslos, ziehen sich zurück und empfinden keine Freude mehr. Meist haben sie Angstzustände und den Wunsch, dem eigenen Leben ein Ende zu setzen. Schätzungsweise erleidet jeder Fünfte in Deutschland im Lauf seines Lebens eine Depression – mit Folgen bis hin zum Suizid. Häufig werden die Betroffenen mit Psychotherapien und Medikamenten behandelt. „Bei manchen Patienten hilft jedoch keine Therapie“, sagt Prof. Dr. Thomas E. Schläpfer von der Bonner Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie. „Manche verharren mehr als zehn Jahre im Bett – nicht weil sie müde sind, sondern weil ihnen jeglicher Antrieb fehlt und sie unfähig sind aufzustehen.“


Ein möglicher Ausweg ist die „tiefe Hirnstimulation“, bei der den Patienten Elektroden ins Gehirn eingepflanzt werden. Zielpunkt ist der Nucleus Accumbens - eine Hirnregion, die als Belohnungszentrum bekannt ist. Dort stimuliert ein schwacher elektrischer Strom die Nervenzellen. Solche Hirnschrittmacher werden heute oft von Neurochirurgen und Neurologen zur Behandlung des ständigen Muskelzitterns bei der Parkinson-Krankheit eingesetzt.

Bereits eine Studie im Jahr 2009 bewies eine antidepressive Wirkung

Die Bonner Wissenschaftler konnten bereits im Jahr 2009 nachweisen, dass Hirnschrittmacher auch eine Wirkung bei schwerstdepressiven Patienten zeigen. Von zehn Probanden, denen Elektroden in den Nucleus Accumbens implantiert worden waren, zeigte sich bei allen eine Linderung der Symptome. Die Hälfte der Probanden sprach besonders deutlich auf die Reizung durch die Elektroden an.

„In der aktuellen Studie untersuchten wir, ob diese Effekte langfristig erhalten bleiben oder ob die Wirkung der tiefen Hirnstimulation bei den Patienten allmählich abschwächt“, sagt Prof. Schläpfer. Bei der Psychotherapie oder Behandlungen mit Medikamenten gibt es immer wieder Rückfälle. Manche der Patienten hatten bis zu 60 vergebliche Behandlungen mit Psychotherapie, Medikamenten und Elektrokrampftherapie hinter sich. „Bei der tiefen Hirnstimulation hält die klinische Verbesserung hingegen über Jahre hinweg konstant an.“ Die Wissenschaftler beobachteten insgesamt elf Patienten über einen Zeitraum von zwei bis fünf Jahren. „Wer anfangs auf die tiefe Hirnstimulation ansprach, spricht auch heute noch darauf an“, fasst der Bonner Psychiater die Ergebnisse zusammen. Ein Patient schied im Lauf der Studie durch einen Suizid aus dem Leben. „Das ist sehr bedauerlich“, sagt Prof. Schläpfer. „Dies lässt sich bei schwerstdepressiven Patienten aber nicht immer verhindern.“

Die aktuelle Studie zeigt: Die positiven Effekte halten jahrelang an

Die Teilnehmer der Studie zeigten bereits nach kurzer Zeit eine Besserung der Symptome. „Die Intensität der Angstsymptome nahm ab, der Antrieb der Probanden verbesserte sich“, berichtet der Psychiater. „Nach vielen Jahren der Krankheit konnten einige sogar wieder arbeiten.“ Die Wissenschaftler wiesen nun mit der aktuellen Publikation nach, dass die positiven Effekte über einen längeren Zeitraum nicht abnehmen. „Bei allen Testpersonen war eine Besserung der Symptome zu verzeichnen, bei knapp der Hälfte lag das Ausmaß der Beschwerden auch Jahre nach dem Beginn der Behandlung um mehr als 50 Prozent unter dem Ausgangswert“, sagt Prof. Schläpfer. „Schwerwiegende Nebenwirkungen der Therapie waren nicht zu verzeichnen.“

Die langfristige Wirkung ist nun mit der aktuellen Studie bestätigt. Wie genau die elektrische Stimulation in der Lage ist, die Funktion des Nucleus Accumbens zu verändern, ist noch nicht bekannt. „Hier gibt es noch Forschungsbedarf“, sagt Prof. Schläpfer. „Mit bildgebenden Verfahren wurde nachgewiesen, dass die Elektroden den Nucleus Accumbens tatsächlich aktivieren.“ Das Verfahren der tiefen Hirnstimulation bedeute möglicherweise eine Hoffnung für Menschen, die an den schwersten Formen von depressiven Erkrankungen leiden. „Bis dieses Therapieverfahren zur klinischen Standardanwendung wird, ist es allerdings noch ein weiter Weg“, sagt der Bonner Wissenschaftler.

Quelle Informationsdienst Wissenschaft idw
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Sonntag, 12. Februar 2012

Bundesforschungsministerin Schavan zum Thema Demenz

Mehr als 1,3 Millionen Deutsche sind an Demenz erkrankt; zwei Drittel von ihnen leiden unter Alzheimer. Neurodegenerative Erkrankungen sind für die Patienten und ihre Angehörigen eine schwere Bürde. Die Neurowissenschaft weiß inzwischen, was bei Demenz im Gehirn passiert und versucht möglichst genau zu klären, welche molekularen Prozesse letztlich den Zelltod bei degenerativen Erkrankungen verursachen. Das könnte helfen, die Krankheit früh zu diagnostizieren - und eine frühe Diagnose wiederum ist eine Voraussetzung für präventive Behandlungen, die das Absterben der Nervenzellen künftig möglicherweise verhindern könnten. Aber: Alzheimer ist bis heute nicht heilbar, es gibt auch keine wirksame Prävention, auch wenn Bewegungsmangel offenbar ein Risikofaktor ist.


Interview mit Bundesforschungsministerin Annette Schavan über die Demenzforschung in Deutschland

Frage: Frau Schavan, mehr als 1,3 Millionen Deutsche sind an Demenz erkrankt, zwei Drittel von ihnen leiden unter Alzheimer. Was genau ist das eigentlich?

Schavan: Alzheimer ist eine neurodegenerative Erkrankung, bei der langsam fortschreitend Nervenzellen im Gehirn absterben. Es gibt verschiedene Demenz-Erkrankungen, Alzheimer ist die häufigste davon. Die Symptome sind schwerwiegend: Die kognitiven Fähigkeiten der Patienten lassen schrittweise nach. Zunächst suchen die Kranken vielleicht nur nach dem richtigen Wort, dann sind sie mehr und mehr verwirrt, Orientierungs- und Erinnerungsvermögen werden weniger. Es ist ein ständiger Kampf gegen das Vergessen. Das Verhalten dementer Menschen kann sich so verändern, dass Angehörige gar nicht mehr glauben mögen, dass sie es mit ein und derselben geliebten Person zu tun haben. Ihre Pflege kann sehr traurig und frustrierend sein.

Frage: Das Schicksal des erkrankten Fußballmanagers Rudi Assauer erschüttert viele. Gibt es immer mehr Kranke?

Schavan: Die Zahl der Neuerkrankungen liegt bei rund 200.000 pro Jahr. Und durch den demografischen Wandel verschärft sich die Situation: Die Menschen werden bekanntlich immer älter. Wenn es uns nicht bald gelingt, neue Präventionsmaßnahmen und Therapieverfahren zu entwickeln, wird sich die Zahl der Kranken weiter erhöhen. Dann ist nicht ausgeschlossen, dass im Jahr 2040 2,5 Millionen Menschen in Deutschland demenzkrank sind. Fast die Hälfte davon würde auf intensivste Betreuung und Pflege angewiesen sein. Wir müssen uns also beeilen. Denn Alzheimer und Parkinson, die andere große neurodegenerative Erkrankung, sind nicht nur für die Patienten und ihre Angehörigen eine schwere Bürde, sie belasten die gesamte Gesellschaft.

Frage: Wie weit ist die Forschung?

Schavan: Die Gesundheitsforschung ist ein Schwerpunkt unserer Politik. Was bei Demenz im Gehirn passiert, wissen wir inzwischen relativ gut. Aber unklar ist, warum es passiert. Die Neurowissenschaft versucht deswegen, möglichst genau zu klären, welche molekularen Prozesse letztlich den Zelltod bei degenerativen Erkrankungen verursachen. Das könnte helfen, die Krankheit früh zu diagnostizieren - und eine frühe Diagnose wiederum ist eine Voraussetzung für präventive Behandlungen, die das Absterben der Nervenzellen künftig möglicherweise verhindern könnten.
Aber: Alzheimer ist bis heute nicht heilbar, es gibt auch keine wirksame Prävention, auch wenn wir inzwischen wissen, dass zum Beispiel Menschen, die sich körperlich und geistig nicht betätigen, offenbar ein höheres Risiko haben, an Alzheimer zu erkranken. Leider ist das so: Die Ursachen von Demenz sind noch immer so wenig bekannt, dass eine effiziente Behandlung nicht möglich ist. Hier müssen wir schneller als bisher voran kommen. Die Voraussetzungen dafür haben wir geschaffen.

Frage: Was tut die Bundesregierung?

Schavan: Vor drei Jahren haben wir das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen gegründet, kurz DZNE. Es ist ein Leuchtturm, der die deutsche Forschung auf diesem Gebiet bündelt und verstärkt. Forscher der unterschiedlichsten Disziplinen arbeiten unter dem Dach der Helmholtz-Gemeinschaft zusammen. Das DZNE ist in Bonn angesiedelt, hat aber mehrere Außenstellen und arbeitet eng mit Hochschulen und Hochschulkliniken zusammen. Das ist europaweit einzigartig: So gezielt wird nirgendwo sonst Demenzforschung betrieben. Es gilt, wirksame Therapien zu entwickeln und neue Möglichkeiten der Früherkennung und Prävention aufzuzeigen. Die Grundlagenforschung liefert wichtige Resultate - die müssen immer wieder rasch auf ihre Praxistauglichkeit überprüft werden. Das DZNE wird übrigens maßgeblich vom Bundesforschungsministerium finanziert, sein jährliches Budget beträgt 66 Millionen Euro. Insgesamt fördert das Ministerium die Demenzforschung mit einem jährlichen Gesamtvolumen von rund 85 Millionen Euro.

Frage: Woran wird konkret geforscht? Haben Sie Beispiele?

Schavan: Ja natürlich. Man muss wissen: Von der Entwicklung eines neuen Wirkstoffs bis hin zum fertigen Medikament vergehen in der Regel zehn bis zwölf Jahre. Und das heißt dann noch lange nicht, dass dieses neue Medikament dann auch wirkt: Viele Wirkstoffe werden getestet und als geeignet empfunden, in klinischen Studien mit den Patienten erweisen sie sich dann aber leider als nicht wirksam. Das DZNE hat darum ein Verfahren entwickelt, mit dem Wirkstoffe gegen Alzheimer besonders effektiv erprobt werden können. Es geht um neue Methoden der Medikamentenentwicklung. Ein anderes Beispiel: Neurologen untersuchen, wie sich das Gehirn von Alzheimer-Patienten verändert, im Fokus haben sie dabei den sogenannten Lipidstoffwechsel. So hoffen sie, die Krankheit frühzeitig erkennen zu können. In einem anderen Forschungsansatz geht es um einen Farbstoff der Flechte Roccella tinctoria, der offenbar die schädlichen Alzheimer-Ablagerungen im Gehirn unschädlich machen kann - bislang allerdings nur in Zellkulturexperimenten.
Demenzforschung ist sehr vielfältig. Es braucht nicht nur biomedizinische Forschung sondern wir stellen uns auch die Frage: Wie kann ein leistungsfähiges Versorgungssystem für immer mehr chronisch Kranke Menschen organisiert werden?

Frage: Die Pflege von Demenzkranken erfordert besonders viel Können und Hingabe. Kann die Forschung auch dazu etwas beitragen?

Schavan: Sicher. Demenzerkrankungen sind eine drängende gesellschaftliche Herausforderung. Viele von uns haben Kranke in ihrer Familie, im Freundes- oder Bekanntenkreis. Wir müssen dafür sorgen, dass die sehr gute Demenzforschung in Deutschland den Patienten, aber auch ihren Angehörigen und den professionellen Pflegern schnell zugutekommt. Auch die Pflege kann besser werden. So können viele Kranke ihre Wünsche und Gefühle nicht mehr richtig ausdrücken. Sie kommunizieren kaum mehr über die Sprache, dafür werden für sie Blickkontakt, Mimik oder Berührung umso wichtiger. Hier setzen neue Methoden in der Pflege an, deren Entwicklung vom Bundesforschungsministerium finanziell unterstützt werden. Etwa die sogenannte "Basale Stimulation", die die Sinne der Patienten aktiviert: Wie genau lässt sich zum Beispiel durch den Geruch eines Lieblingsgerichts der Appetit anregen. Egal ob professionelle Pflegekräfte oder pflegende Angehörige: Nur wer um die völlig andere Welt weiß, in der demente Menschen Leben, kann richtig mit ihnen umgehen.

Quelle Bundesministerium für Bildung und Forschung
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