05.01.2010 Frauen mit Magersucht (Anorexia Nervosa) weisen eine deutlich reduzierte Dichte grauer Zellen in bestimmten Bereichen des Gehirns auf, die mit der Verarbeitung von Körperbildern zu tun haben. Dieses Ergebnis brachten Untersuchungen betroffener und gesunder Frauen im Kernspintomografen, die Forscher der Ruhr-Universität Bochum um PD Dr. Boris Suchan durchgeführt haben. Die Auffälligkeiten im Gehirn könnten die gestörte Wahrnehmung des eigenen Körpers bei Frauen mit Essstörungen erklären: Patientinnen nehmen sich selbst als dick wahr, obwohl sie objektiv untergewichtig sind - ein aufrechterhaltender Faktor für die Essstörung.
Die Forscher berichten in der aktuellen Ausgabe des Journals "Behavioural Brain Research".
Essgestörte schätzen sich dicker ein - Gesunde schlanker
Die Forscher untersuchten für ihre Studie 15 magersüchtige und 15 gesunde Frauen ähnlichen Alters. Die Probandinnen absolvierten zunächst eine Aufgabe am Computer, bei der sie ihre eigene Figur einer von mehreren unterschiedlich schlanken Silhouette zuordnen mussten, von der sie annahmen, dass sie der eigenen Figur am nächsten kam. Außerdem wurde dieselbe Aufgabe je zehn unabhängigen weiblichen Testpersonen gestellt, die die Fotos der Versuchsteilnehmerinnen der passenden Silhouette zuordnen sollten. Die Ergebnisse dieses Experimentes belegen die verfälschte Selbstwahrnehmung der Patientinnen mit Magersucht: Während sich die gesunden Kontrollpersonen tendenziell schlanker einschätzten als sie von den unabhängigen Bewerterinnen geschätzt wurden, ordneten sich die Patientinnen korpulenteren Silhouetten zu.
Auffälligkeiten in zwei Gehirnregionen
Dann folgte die Studie im Kernspintomografen. Hier wurden hoch auflösende Bilder der Gehirne der Teilnehmerinnen erfasst. Diese wurden dann in verschiedenen Analyseschritten in die Bereiche graue Substanz, weiße Substanz und Liquor (Gehirnflüssigkeit) unterteilt und im Anschluss auf Unterschiede in der Dichte der grauen Substanz untersucht. Da die Patientinnen durch ihre Krankheit ein geringeres Körpergewicht und einen geringeren Body-Mass-Index aufwiesen als die Kontrollpersonen, war auch das gesamte Volumen des Gehirns verringert. In zwei Regionen des Gehirns fielen besonders starke Verringerungen der grauen Zellen auf: Die eine Region wurde vor einigen Jahren als diejenige identifiziert, die vorrangig für die visuelle Verarbeitung von menschlichen Körpern zuständig ist (Extrastriate Body Area, EBA). Die zweite Region mit verminderter Dichte grauer Substanz befand sich im oberen, hinteren Teil des Schläfenlappen. Auch diese Gehirnregion wird mit der Verarbeitung von Körperbildern in Verbindung gebracht. "Diese Ergebnisse, die wir in dieser Studie zum ersten Mal gesehen haben, könnten eine Erklärung für das gestörte Körperbild von Anorexie-Patienten sein", so Dr. Suchan. Einige offene Fragen bleiben dennoch zu klären: "Ob es sich bei den Auffälligkeiten des Gehirns um eine Prädisposition handelt, die die Entstehung einer Essstörung begünstigt, oder um Veränderungen, die erst durch die Krankheit auftreten, müssen weitere Studien zeigen."
Quelle Informationsdienst Wissenschaft idw
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Dienstag, 5. Januar 2010
Hirnveränderungen bei Magersucht:
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Labels: Magersucht/Essstörungen, Psyche allgemein
Mittwoch, 23. Dezember 2009
Johanniskraut gegen Depressionen?
Studie untersucht erstmals Wirksamkeit bei Kindern und Jugendlichen
Johanniskraut steht in jedem Drogerieregal, als Helfer gegen Schlafstörungen oder depressive Verstimmungen. Auch Kinder und Jugendliche bekommen häufig Johanniskraut, entweder aus der Drogerie oder in höherer Dosierung vom Arzt verschrieben aus der Apotheke. Ob das Kraut bei ihnen tatsächlich gegen Depressionen wirkt, ist bisher aber nicht wissenschaftlich nachgewiesen. Eine vom Bundesforschungsministerium geförderte große Studie an der Ulmer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie will diese Frage nun beantworten.
Wirksamkeit bisher nicht nachgewiesen
„Johanniskraut ist ab 12 Jahren für leichte bis mittelschwere Depressionen oder depressive Zustände zugelassen“, erklärt Dr. Michael Kölch, kommissarisch leitender Oberarzt der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie. „Die Wirksamkeit ist aber nicht nachgewiesen, denn bei pflanzlichen Wirkstoffen ist dieser Nachweis keine Voraussetzung für die Zulassung. Es gibt bisher nur eine Anwendungsbeobachtung und eine kleinere Studie zur Dosisfindung, das ist alles.“
Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung
Dr. Kölch und sein Team wollen nun herausfinden, ob Johanniskraut überhaupt bei Depressionen von Kindern und Jugendlichen wirkt. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert die nach strengen wissenschaftlichen Kriterien (randomisiert, doppelt-blind, Placebo-kontrolliert) organisierte Studie, an der sich unter Ulmer Leitung Krankenhäuser in ca. 15 weiteren Zentren aus ganz Deutschland beteiligen, mit rund 1,2 Mio. Euro. „Wir müssen wissen, ob das, was wir Kindern verschreiben, tatsächlich hilft - das gilt für pflanzliche Wirkstoffe genauso wie für andere. In den industrialisierten Ländern nehmen Depressionen unter Kindern und Jugendlichen zu, sechs bis sieben Prozent erleben mindestens einmal in ihrem Leben depressive Phasen, die viel mehr sind als nur schlechte Stimmung. Ihnen sollte in den ersten drei Monaten zielgerichtet geholfen werden, damit das Leiden nicht schlimmer oder gar chronisch wird“, so Kölch.
Mehr als 200 Kinder und Jugendliche mit Depressionen werden in der Studie per Zufallsprinzip Gruppen zugeordnet, die drei Monate lang entweder Johanniskraut in einer standardisierten Zusammensetzung erhalten oder einen Placebo. „Dabei begleiten wir die Kinder engmaschig und führen die psychosoziale Betreuung weiter. Wir ermitteln auch, welche Faktoren eine Wirkung des Johanniskrauts begünstigen können. Wenn wir eine Wirksamkeit belegen können, haben wir möglicherweise eine nebenwirkungsarme Alternative zu anderen nachweislich wirksamen Psychopharmaka. Wenn nicht, ist dieses Wissen genauso wertvoll“, blickt Dr. Kölch voraus.
Teilnahme an der Studie
Die Teilnahme an der Studie ist für Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren möglich. Bei Interesse können sich betroffene Familien an die Ambulanz der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie wenden. Tel: 0731 - 500 61636 oder 61629
Quelle Universitätsklinikum Ulm
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Labels: Depression, Kinder: psych.Erkrankungen, Medikamente
Mittwoch, 16. Dezember 2009
Podcast der Kinderuni Augsburg
Die Kinderuni Augsburg dürfte ihnen vom Hörensagen sicherlich bekannt sein. Kennen sie aber auch die Detektei Suni und Partner?
Unter diesem Namen veröffentlicht die Kinderuni seit 2006 Podcasts für Kinder. Wobei die Krimihörspiele sich jeweils an Vorlesungen der Kinderuni anlehnen und so spielerisch neben dem reinen Hörvergnügen auch etwas Wissen zu verschiedenen Themen vermitteln sollen.
Die nunmehr achte Folge des Podcasts ist soeben erschienen, die 9te für Ende Dezember angekündigt. Vielleicht ein Tipp für die Weihnachtsferien?
Folgend ein Presseartikel der Universität Augsburg zu dieser Hörspielreihe.
Während alle, die eine Karte für die erste Vorlesung der Kinderuni Augsburg im Studienjahr 2006/07 ergattert haben, noch gespannt auf die Antworten warten, die ihnen der Archäologe Prof. Dr. Valentin Kockel am kommenden Samstag auf die Frage "Wie funktionierte eigentlich das Colosseum?" geben wird, hat die Detektei Suni & Partner ihre zum Auftakt ebenfalls in Rom und im Colosseum spielenden Ermittlungen bereits aufgenommen. Und was Suni in der ersten Folge der neuen Hörspielreihe, die die Kinderuni Augsburg fortan begleiten wird, erlebt, können sich alle, die in einem spannenden Hörkrimi mehr über Rom und das Colosseum erfahren wollen, auf http://www.detekteisuni.com anhören und herunterladen.
Kinderuni-Themen für schon ein bisschen "Erwachsenere"
"Kinderuni mal anders - das war der Grundgedanke, der hinter der Idee steckte, einen Podcast zu machen. Geschichten statt bloße Fakten - das war dann der Auftakt für die Hörspielidee, aus der Ruben Schulze-Fröhlich und Sebastian Grünwald die 'Detektei Suni & Partner' gemacht haben", erläutert die Augsburger Medienpädagogin Prof. Dr. Gabi Reinmann (Schwerpunkt: E-Learning und Wissensmanagement). "Parallel und ergänzend zur jeweiligen Kindervorlesung", so Reinmann weiter, "greifen wir die Themen der Vorlesung auf und packen sie in spannende Abendteuer von drei Jugendlichen. Dabei sprechen wir mit unseren Geschichten, aber auch mit dem von uns genutzten Medium eher diejenige Altergruppe an, die schon ein bisschen 'erwachsener' sein will und sich für den Besuch einer 'Kinder'-Vorlesung schon ein bisschen 'zu alt' fühlt."
Die Helden: Suni (15), Melissa (16) und Thorsten (14)
Folglich sind auch die drei Helden der Hörspielreihe schon ziemlich "erwachsen": Da ist zunächst Suni selbst, ein 15-Jähriger, der seine Kindheit damit verbracht hat, Bücher von Philip Marlowe bis Butler Parker zu verschlingen, und sich auf seiner Visitenkarte als P. I. ausweist, um immer und immer wieder erklären zu müssen, dass dies selbstverständlich für "Private Investigator" stehe. Melissa, die zweite im Bunde, ist 16, sie arbeitet als Jugendredakteurin beim "Jay-Mag" - dem Jugendmagazin Augsburgs, ist stets bestens informiert und unschlagbar, was Recherche betrifft. Schließlich ist da noch das 14-jährige "Wunderkind" Thorsten. Er verbringt seine gesamte Freizeit in der Bibliothek seines Vaters, eines Augsburger Universitätsprofessors, und ist der Denker und Erfinder im Trio.
Schatten über Rom
Zu Beginn der ersten, "Schatten über Rom" betitelten Folge von "Detektei Suni & Partner", die sich auf die Kindervorlesung "Brot und Spiele: Wie funktionierte eigentlich das Colosseum?" bezieht, starrt Suni missmutig aus dem Fenster. Berge, nichts als Berge, die da an ihm vorbeiziehen. "Eine Woche Rom mit meinen Eltern, eine Katastrophe, dabei hatten wir doch gerade einen so interessanten Fall an der Angel", seufzt Suni, als sein Zug in den Bahnhof Brenner einfährt. Sechs Stunden Zugfahrt liegen noch vor ihm, seiner Familie und seinem Freund Thorsten, sechs Stunden Langeweile. Und Melissa, die dritte im Bunde der Detektei Suni & Partner, musste sogar zuhause bleiben, um ihrem Vater bei der Gartenarbeit zu helfen. Gartenarbeit! "Das kann ja heiter werden", schnaubt Suni, und rutscht auf seinem ungemütlichen Sitz herum. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt, denn es liegen dunkle Schatten über Rom, Ereignisse, die Suni und seine Freunde in den nächsten Tagen keine Atempause lassen werden ..."
http://www.detekteisuni.com
Die 23-minütige erste Folge von "Detektei Suni & Partner" steht auf http://www.detekteisuni.com seit Kurzem zur Verfügung - zum direkten Anhören oder zum Abonnieren mit ITunes und Podster, alles kostenlos. Hier ist auch noch viel mehr über Suni und seine Freunde zu erfahren und auch über diejenigen, die deren Abenteuer schreiben, sprechen, produzieren etc.
Nächste Folge im Februar 2007
Dass die zweite Folge für den Februar 2007 angekündigt ist, wundert nicht, denn am 10. Februar 2007 wird auch die nächste Vorlesung in der Kinderuni Augsburg stattfinden. Da es in dieser um die Frage, wie man einen Hubschrauber baut, gehen wird, ist schwer anzunehmen, dass auch im nächsten Fall, den Suni, Melissa und Thorsten zu lösen haben, Hubschrauber eine zentrale Rolle spielen werden. Man wird hören ...
Quelle Universität Augsburg
Weiterführende Informationen:
Web Square
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Samstag, 5. Dezember 2009
"Organische" Software wird vertrauenswürdig
Sicher kennen sie auch einen dieser Filme, in denen sich Computergestützte Systeme selbstständig machen. Sei es das Sicherheitssystem eines Hauses, das plötzlich Gefühle entwickelt. Oder militärische Systeme, die ein unkontrollierbares Eigenleben entwickeln. Mit teils verheerenden Folgen.
Künstliche Intelligenz oder organische Software sind hier die Schlagworte. Auch wenn es vielleicht glücklicherweise noch nicht so weit ist, zeigt folgender Artikel, das an solchen Systemen intensiv gearbeitet wird. Man kann nur hffen, das dies mit der nötigen Sorgfalt geschieht. Damit Schience Fiktion nicht schneller als erwartet Gegenwart wird.
In der neuen DFG-Forschergruppe "OC-Trust" arbeiten Informatiker der Universitäten Augsburg und Hannover an der Weiterentwicklung sich selbst organisierender Systeme.
Augsburg/Hannover - Seit Anfang Oktober 2009 kooperieren Augsburger und Hannoveraner Informatiker in der neuen DFG-Forschergruppe 1085 "OC-Trust". Ziel der gemeinsamen Forschungen ist es, Organic Computing-Systeme, also sich selbst organisierende Software-Systeme, für den Benutzer mess- und beweisbar und zugleich für andere Systeme als vertrauenswürdige Interaktionspartner wahrnehmbar zu machen. Der Begriff "Vertrauenswürdigkeit" umfasst dabei neben einer hohen Betriebssicherheit auch die Aspekte Zuverlässigkeit, Glaubwürdigkeit und Benutzerfreundlichkeit. Geforscht wird in einem Hannoveraner und in drei Augsburger Teams mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Sprecher und Leiter der Forschergruppe ist Prof. Dr. Wolfgang Reif, Inhaber des Augsburger Lehrstuhls für Softwaretechnik und Programmiersprachen und Sprecher des Kompetenzzentrums für innovative Technologien der Universität Augsburg.
Dynamische Veränderung und Selbstorganisation von Struktur und Komponenten
"Organic Computing-Systeme zeichnen sich dadurch aus, dass im Gegensatz zu klassischen Software-Systemen die Systemstruktur und die am System teilnehmenden Komponenten nicht a priori gegeben sind , sondern Struktur und Komponenten sich während der Laufzeit des Systems unvorhergesehen verändern und selbst organisieren können", erläutert Reif. "Durch diese Dynamik entstehen völlig neue Herausforderungen zum einen für die Verifikation und Validierung solcher Systeme, zum anderen aber auch für die Interaktion zwischen Systemkomponenten sowie für die Schnittstelle zwischen System und Benutzer." Diese Herausforderungen bündeln sich in der Notwendigkeit, solche Systeme vertrauenswürdig zu machen: Sie müssen für andere Systeme verlässlich wahrnehmbar sein, ihre Betriebssicherheit und Zuverlässigkeit müssen kalkulierbar sein und der Benutzer muss sie kalkuliert handhaben können.
Entwicklung, Evaluierung und Anwendung von Techniken zur Vertrauenswürdigkeitsprüfung
In der ersten OC-Trust-Projektphase werden jetzt zunächst grundlegende Techniken, Metriken und Methoden erarbeitet, mit denen die Vertrauenswürdigkeit von OC-Systemen überprüft werden kann. In einer zweiten Phase werden diese Techniken dann in einem Demonstrator eingesetzt und evaluiert. Auf der Basis der so gewonnenen Daten erfolgen schließlich die Verfeinerung der Techniken und ihre Anwendung auf weiteren Domänen. "Organic Computing-Systeme auf diese Weise vertrauenswürdig zu machen", so Reif, "sehen wir als den nächsten Schritt, der unverzichtbar ist, um OC zu einer akzeptierten Technologie zu entwickeln und die vielen wünschenswerten Eigenschaften dieser Systeme allgemein zugänglich zu machen."
Vier Teams mit unterschiedlichen Schwerpunkten
Von den vier Teilprojekten wird eines an der Universität Hannover bearbeitet: Unter Leitung von Prof. Dr. Christian Müller-Schloer und Prof. Dr. Jörg Hähner geht am dortigen Fachgebiet System- und Rechnerarchitektur ein Team der Frage nach, wie sich Vertrauen in Verbünden von autonomen Software-Systemen erzeugen und zur Verbesserung der Effizienz nutzen lässt.
An der Universität Augsburg befasst sich die Gruppe von Projektsprecher Reif am Lehrstuhl für Softwaretechnik und Programmiersprachen mit der formalen Untersuchung von Trust-Metriken und Algorithmen zur Erzeugung von Trust. Die zweite Augsburger Gruppe am Lehrstuhl für Systemnahe Informatik und Kommunikationssysteme von Prof. Dr. Theo Ungerer setzt sich mit der vertrauenswürdigen Interaktion zwischen Komponenten in OC-Systemen auseinander. Die Anforderungen, die die Benutzerschnittstelle eines OC-Systems erfüllen muss, wenn dieses vertrauenswürdig sein soll, sind schließlich das Thema der dritten Augsburger Gruppe um Prof. Dr. Elisabeth André am Lehrstuhl für Multimedia-Konzepte und Anwendungen.
"Ich bin zuversichtlich, dass wir mit dieser Forschergruppe unser Forschungsprogramm erfolgreich bewältigen werden", versichert Reif. "Die Expertise aus unterschiedlichen Forschungsbereichen der Informatik und die einzigartige Betrachtungsweise der Vertrauenswürdigkeit als ganzheitliches Problem machen das Projekt so interessant und werden zu innovativen Lösungen führen."
Quelle Universität Augsburg
Weiterführende Informationen: Universität Paderborn
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Labels: Kinder - Internet - neue Medien, Wissenschaft und Technik
Freitag, 4. Dezember 2009
"Erzieherinnen und Erzieher brauchen Medienkompetenz"
BMBF-Programm schult pädagogisches Personal im Umgang mit digitalen Medien
In unserer Medienwelt braucht man Medienkompetenzen. Deshalb erhalten Erzieherinnen und Erziehern in Kindergärten und Kindertageseinrichtungen gezielte Schulungen. Sie sollen sich selbst besser in der digitalen Welt zu Recht finden und sich selbständig im Netz weiterbilden können. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMB) hat deshalb im Dezember 2008 das Programm "Basisqualifizierung Medienkompetenz" für pädagogisches Fachpersonal im frühkindlichen Bereich gestartet. Die Weiterbildungskurse sind so begehrt, dass bereits jetzt eine zweite Runde des Programms auf den Weg gebracht wird.
"Die große Nachfrage zeigt, wie wichtig und richtig diese Schulungen sind und dass sie den aktuellen Bedürfnissen der Erzieherinnen und Erzieher entsprechen", sagte Bundesbildungsministerin Annette Schavan in Berlin. "Um Qualität in der frühkindlichen Bildung zu garantieren, brauchen wir gut ausgebildetes pädagogisches Personal in Kindergärten und Kindertageseinrichtungen. Die Zukunft unserer Gesellschaft hängt von Investitionen in die frühkindliche Förderung ab."
Annähernd 10.000 Erzieherinnen und Erzieher nahmen bereits an den bundesweit durchgeführten Schulungen teil. Nun sollen weitere 10.000 Fachkräfte mit den digitalen Medien und dem "Lernort Netz" vertraut gemacht werden. Die Maßnahmen werden aus Mitteln des BMBF und aus dem Europäischen Sozialfonds der Europäischen Union mit insgesamt fünf Millionen Euro gefördert.
Die Schulungen dauern insgesamt fünf Tage. Angesprochen sind Erzieherinnen und Erzieher, die über keine oder nur geringe Vorkenntnisse verfügen. Mit soliden Grundkenntnissen rund um den Computer und das Internet sowie anschaulichen Beispielen aus der Praxis sollen die Erzieherinnen und Erzieher in die Lage versetzt werden, das Internet zur eigenen Weiterbildung zu nutzen. Ebenso sollen sie den Computer in der eigenen Einrichtung für medienpädagogische Projekte und zur Förderung von Medienkompetenz einsetzen können. Der Verein Schulen ans Netz e. V., der bereits in dem Projekt BIBER ("Bildung-Beratung-Erziehung im Bereich frühkindlicher Bildung") tätig ist, hat auch die Organisation der neuen Weiterbildungsseminare übernommen.
Weitere Informationen zur Weiterbildungsinitiative finden Sie bei:
Schulen ans Netz e. V.
Martin-Luther-Allee 42
53175 Bonn
Tel.: 0228-91048-0
Quelle Bundesministerium für Bildung und Forschung
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Sonntag, 29. November 2009
Schönheit um jeden Preis
Magazine und Modelshows wecken den Wunsch nach Perfektion: Jedes fünfte Mädchen zwischen neun und 14 Jahren wünscht sich eine Schönheitsoperation. Doch die Folgen können schmerzhaft sein.
So schlank sein wie Christina Aguilera, sexy Kurven haben wie Collien Fernandes oder ein Sixpack wie Justin Timberlake – jeder hat sein persönliches Schönheitsideal. Und wir tun eine Menge, um ihm zu entsprechen. Schließlich gelten schöne Menschen als beliebter und erfolgreicher. Doch deshalb gleich einschneidende Maßnahmen ergreifen? „Jedes fünfte neun- bis 14-jährige Mädchen würde sich unters Messer legen, um besser auszusehen“, weiß DAK-Expertin Dr. Cordula Sohst-Brennenstuhl. Die Fachärztin für Allgemeinmedizin kennt die Fakten rund um Schönheits-OPs.
Experten schätzen: In Deutschland wird jede zehnte der etwa eine Million Schönheitsoperationen jährlich bei Patienten unter 20 vorgenommen – die Mehrheit bei Mädchen. „Medizinisch sinnvoll sind nur wenige Eingriffe, zum Beispiel bei extrem abstehenden Ohren oder bei Jungen mit starkem Brustwachstum“, erklärt DAK-Ärztin Sohst-Brennenstuhl. Der Trend geht eher in eine andere Richtung: Fettabsaugen, Nasenkorrektur und Brustvergrößerung sind begehrte Eingriffe. Eine teuere Angelegenheit – ein neuer Busen beispielweise kostet so viel wie ein Kleinwagen. Und was viele nicht wissen: Die Operationen können schmerzhafte Folgen haben. „Jede fünfte Frau klagt nach dem Eingriff über Taubheitsgefühle, Infektionen und andere Nebenwirkungen“, berichtet die Ärztin. „Zusätzlich können um die operierte Stelle herum größere Wunden und Narben entstehen.“ Sie rät deshalb: „Wer über eine Schönheitsoperation nachdenkt, sollte immer erst mit seinem Kinder- und Jugendarzt reden. Er weiß, welche Risiken auftreten können.“
Magersucht 2.0: Gefährlicher Trend aus dem Netz
Über die Hälfte aller Jugendlichen sind mit der eigenen Figur nicht zufrieden. Doch vermeintliche Hilfe aus dem Internet kann lebensgefährlich sein.
„Ab einem bestimmten Gewicht bekommst du deine Periode nicht mehr – das ist gut so, denn es bedeutet, dass du abnimmst. Lass nur deine Mutter davon nichts wissen, sie wird dich sonst sicher zum Arzt schleppen!“ Diese und ähnliche Tipps tauschen Anhänger eines lebensgefährlichen Cybertrends aus: Pro Ana heißt der Kult aus dem Netz. Ana ist die Abkürzung von Anorexia nervosa – Magersucht.
Warum ist Pro Ana so gefährlich? „Mehr als die Hälfte der 13- bis 14-Jährigen wollen dünner sein; jeder Fünfte unter den elf- bis 17-Jährigen weist sogar Symptome einer Essstörung auf“, weiß DAK-Ärztin Cordula Sohst-Brennenstuhl. In Internetforen und Blogs wird der Magerwahn hingegen als eine Art Lifestyle präsentiert und Essstörungen dabei verherrlicht. Was auf diesen Seiten verschwiegen wird: Magersucht kann zu ernsthaften Schäden führen, von Haarausfall bis hin zu Leber- oder Herzschäden – jeder zehnte Magersüchtige stirbt sogar daran. Übrigens: Nicht nur Mädchen sind vom Schlankheitswahn betroffen. „Viele Jungen leiden am Adoniskomplex und hungern und trainieren so exzessiv, dass sie krank werden“, sagt die DAK-Expertin. Tipps, wie man gesund schlank werden und bleiben kann, findet ihr auf www.dak-aha-live.de, dem DAK-Internetauftritt für Jugendliche.
Echte Körper – echte Probleme
Zu kleine Brüste, Damenbart, komischer Körpergeruch? DAK-Ärztin Dr. Cordula Sohst-Brennenstuhl erläutert, warum dein „Body Drama“ kein Tabuthema ist.
Fakt 1: Achtung, falsche Schönheitsideale!
Gerade Mädchen setzen sich oft unter enormen Druck, um so schlank und perfekt wie ihre Vorbilder auszusehen. Was viele dabei vergessen: Die makellosen Körper aus den Medien sind meist nicht echt, sondern retuschiert oder operiert. Einem Ideal kann man sich vielleicht annähern, aber nicht wirklich entsprechen. Wie der Engländer schon sagt: Nobody’s perfect! – und das ist gut so.
Fakt 2: Keine falsche Scham
Dein Rücken erinnert dich an eine Kraterlandschaft? Oder sind deine Brüste unterschiedlich groß? Keine Sorge – du bist nicht allein: Die meisten der rund viereinhalb Millionen Mädchen in Deutschland kämpfen während ihrer Pubertät mit diesen oder ähnlichen Problemen. Deshalb: Keine falsche Scham. Besprich deine Sorgen mit Eltern, Freunden oder deinem Arzt. Denn nur so wirst du herausfinden, ob etwas an dir nicht in Ordnung ist – oder ob alles stimmt.
Fakt 3: Finger weg von schlechten Ratgebern!
Gerade bei „peinlichen“ Beschwerden wie Ausfluss oder Pilzinfektionen wenden sich Jugendliche oft an anonyme Internetforen. Verständlich, das Problem ist aber, dass hier selten Experten Rat geben. Betroffene versuchen sich meist, gegenseitig zu helfen und „doktern“ dann selbst an sich herum. Dadurch verschlimmern sich ihre Beschwerden aber häufig. Hier gilt: Wenn schon im Netz Rat suchen, dann auf Seiten, die von Medizinern betreut werden – zum Beispiel frauenaerzte-im-netz.de, frauengesundheitsportal.de – oder dak-aha-live.de.
Quelle DAK/Sept 2009
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Labels: Gesellschaft, Kinder: psych.Erkrankungen, Magersucht/Essstörungen
Montag, 23. November 2009
Psychische Krankheiten nicht tabuisieren
Versagensängste, Konkurrenzkampf, Kollaps – psychische Krankheiten haben nach Angaben der DAK stark zugenommen. Bei Männern stieg die Anzahl der Fehltage aufgrund seelischer Leiden seit 2000 um 12,5 Prozent. Wegen depressiver Störungen gab es bei ihnen sogar 26,2 Prozent mehr Fehltage. "Vor allem bei Männern gibt es eine hohe Dunkelziffer unerkannter Depressionen", sagt DAK-Experte Frank Meiners. Frauen gingen offensiver mit seelischen Krankheiten um als Männer. "Der Drang nach Erfolg, Perfektion und ständiger Leistungsbereitschaft macht viele Männer zu kranken Helden, denen die Fähigkeit fehlt, ihren Sorgen Ausdruck zu geben. Hier ist Sensibilität in Gesellschaft und Arbeitswelt gefordert".
Depressionen machen sich bei Männern anders als bei Frauen bemerkbar. Diplom-Psychologe Frank Meiners: „Wutausbrüche, Kamikaze-Manöver mit dem Auto oder aggressives Verhalten sind die Symptome, die häufig bei Männern auftreten, aber eben nicht als Folgen einer Depression erfasst werden“. Frauen reagieren bei Depressionen anders. Sie seien niedergeschlagen und verzweifelt und suchen eher professionelle Hilfe. „Viele depressive Männer leiden auch unter sexuellen Problemen oder haben weniger Lust auf Sex. Dies macht ihnen oft besonders schwer zu schaffen, da sie um ihre Männlichkeit fürchten“, sagt der DAK-Experte.
Flucht in den Alkohol
Auch der Missbrauch von Alkohol ist eine typische Reaktion. „Hinter Alkoholabhängigkeit verbergen sich häufig Depressionen“, sagt Meiners. Das Dilemma: Da dies den Betroffenen oft nicht bewusst ist, werden lediglich der Leidensdruck scheinbar kompensiert, nicht aber die eigentliche Ursache behandelt. „Psychische Erkrankungen und Depressionen sind ein wichtiges Feld für die ärztliche Fortbildung“, zieht Frank Meiners Bilanz. „Dadurch können diese Erkrankungen frühzeitig erkannt und zielgerichtet behandelt werden.“
Quelle DAK
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Labels: Depression, Gesellschaft
Sonntag, 22. November 2009
Wenn Kinder schnarchen
20.11.2009 Schnarchende Kinder sind nichts Ungewöhnliches. Viele Erwachsene finden es sogar niedlich, wenn ihre Kleinen vor sich hin knurren. Doch Eltern sollten dabei sehr aufmerksam sein, denn regelmäßiges Schnarchen kann gesundheitliche Folgen haben und die Entwicklung des Kindes stören. Am 25. November wollen Mediziner der Leipziger Uniklinik im Rahmen einer Fortbildungsveranstaltung mit niedergelassenen Kinderärzten diese und andere Fragen der Kinderschlafmedizin in einem offenen Forum erörtern. Interessierte Journalisten sind herzlich dazu eingeladen.
Mehr als die Hälfte aller Kinder zwischen ein und vier Jahren schnarcht manchmal. Jedes achte Kind davon jedoch jede Nacht. Je älter die Kinder werden, desto häufiger schnarchen sie auch. Jungen schnarchen dabei häufiger als Mädchen. Bei den meisten Kindern ist das Schnarchen nur eine vorübergehende Sache, die beispielsweise mit Erkältungen einher geht. Bei einigen Kindern kann das Schnarchen aber auch regelmäßig werden und das nicht ohne Folgen: Die Kinder sind tagsüber oft müde, haben Konzentrationsprobleme und Leistungsschwächen. Dazu kommt: Weil die Kinder mit offenem Mund schlafen, geht die Schutzfunktion der Nase verloren. Schnarchende Kinder leiden deshalb häufiger an Husten, Erkältungskrankheiten und Ohrentzündungen. Die Ursachen des nächtlichen Sägens können ganz unterschiedlicher Natur sein. Gesichert scheint allerdings, dass in der Gegenwart ihrer Kinder rauchende Eltern das Risiko um 60 Prozent erhöhen, dass ihr ein- bis vierjähriger Sprössling zum Schnarcher wird.
In einer ab Januar 2010 beginnenden Studie wollen Ärzte der Uniklinik Leipzig den Zusammenhang zwischen Schlaf und Stoffwechselaktivität erforschen. Die Mediziner wollen dabei mehreren Fragestellungen auf den Grund gehen: Gibt es einen Zusammenhang zwischen gestörtem Schlaf und Übergewicht? Warum haben dicke Kinder mehr nächtliche Atempausen und schnarchen öfter? Was passiert, wenn Kinder chronisch zu wenig schlafen? Für die Studie sollen schlanke und übergewichtige Kinder untersucht werden. Die Kinder werden eine Nacht im Schlaflabor verbringen, sie führen ein Schlaftagebuch und tragen einen Bewegungsmesser. Anschließend werden die Eltern über die Ergebnisse informiert und von den Medizinern beraten. Die Wissenschaftler suchen für diese Studie noch dringend Probanden im Alter zwischen 5-7 Jahren und 13-15 Jahren. Interessierte Eltern melden sich bitte bei Frau Kathrin Dittrich. Tel. 0341-97-26922.
Quelle Informationsdienst Wissenschaft idw
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Freitag, 13. November 2009
Ein Drittel aller Erwerbstätigen klagt über psychische Belastungen
Aktuelle Ergebnisse des Gesundheitsmonitors der Bertelsmann Stiftung
Der tragische Tod des Nationaltorwarts Robert Enke wirft erneut ein Schlaglicht auf die immer noch mit Tabu belegten psychischen Erkrankungen. Dabei haben sich psychische Beschwerden längst zu einer Volkskrankheit entwickelt, wie auch die Ergebnisse des aktuellen Gesundheitsmonitors der Bertelsmann Stiftung belegen. Dieser regelmäßig durchgeführten repräsentativen Umfrage zufolge klagt jeder dritte Erwerbstätige über psychische Belastungen, mehr als 20 Prozent der deutschen Bevölkerung suchen innerhalb eines Jahres wegen psychischer Probleme einen Arzt auf.
Die unsicheren wirtschaftlichen Verhältnisse verschärfen die Situation: 52 Prozent der Menschen in befristeten Arbeitsverhältnissen klagen über psychische Belastungen. Aber auch rein subjektiv erlebte Zukunftssorgen, wie arbeitslos (46 Prozent) und durch neue Technologien überflüssig (50 Prozent) zu werden oder im Fall von Arbeitslosigkeit keine neue Arbeit zu finden (41 Prozent), gehen mit einem erhöhten Risiko psychischer Beschwerden einher.
Selbst ohne Sorgen um die berufliche Zukunft haben schwierige Arbeitsbedingungen einen negativen Einfluss auf das Wohlbefinden: Wer mehr als fünf Tage die Woche arbeitet (42 Prozent) oder täglich einen Arbeitsweg von mindestens 30 Minuten zu bewältigen hat (38 Prozent), wird häufiger psychisch krank. Ebenso kann das Betriebsklima die Psyche beeinträchtigen. Dies trifft vor allem zu, wenn der Entzug von Vergünstigungen (47 Prozent), Abmahnungen (52 Prozent) oder Kündigung (49 Prozent) im Falle von häufigerer oder längerer Krankschreibung zu erwar-ten sind.
Spätestens hier wird deutlich, dass häufige psychische Erkrankungen im Arbeitsumfeld auch auf Führungsprobleme hinweisen können. "Viele Arbeitgeber haben dies erkannt und führen intensive Schulungsmaßnahmen für ihre Führungskräfte durch", sagt Dr. Jan Böcken von der Bertelsmann Stiftung. Dies ist auch ein Ansatz, die Konflikte an den Berührungsstellen zwischen beruflichem und privatem Bereich in den Griff zu bekommen. "Wir wissen aus den Zahlen des Gesundheitsmonitors, dass das Risiko einer psychischen Beeinträchtigung beispielsweise bei Organisationsproblemen in der Kinderbetreuung doppelt so hoch ist. Diese Probleme sind häufig viel leichter zu bewältigen, wenn Führungskraft und Mitarbeiter gemeinsam nach Lösungen suchen", so Jan Böcken.
Der Gesundheitsmonitor der Bertelsmann Stiftung befragt zweimal jährlich 1.500 Personen zu aktuellen Themen im Politikfeld Gesundheit. Die Befragten repräsentieren den Bevölkerungsdurchschnitt. Aufgrund der Komplexität der Fragen werden die Fragen schriftlich gestellt.
Quelle Bertelsmann-Stiftung
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Labels: Gesellschaft, Stress
Mittwoch, 11. November 2009
Sprache beginnt mit dem ersten Schrei
Vergleiche zwischen wenige Tage alten Babys in Frankreich und Deutschland zeigen: Selbst Neugeborene schreien in ihrer Muttersprache. Die Fähigkeit, aktiv Sprache zu produzieren, ist demnach sehr viel früher vorhanden als bisher angenommen.
Schon in den ersten Tagen ihres Lebens schreien französische Säuglinge anders als deutsche. Während die französischen Neugeborenen häufiger ansteigende Schreimelodien produzieren, schreien kleine Deutsche eher mit fallender Tonhöhe. Der Grund dafür sind vermutlich unterschiedliche Betonungsmuster in den beiden Sprachen, die von den Föten bereits im Mutterleib wahrgenommen und später reproduziert werden.
Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung, die unter der Federführung von Wissenschaftlern der Universität Würzburg entstanden ist. Daran beteiligt waren Forscher des Leipziger Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften sowie des Laboratoire de Sciences Cognitives et Psycholinguistique der Ecole Normale Supérieure in Paris. Die Fachzeitschrift Current Biology berichtet in ihrer aktuellen Ausgabe über die Untersuchung.
Wann Sprache beginnt
Immer wenn die wenige Tage alten Babys Hunger, Durst oder einfach nur Sehnsucht nach ihrer Mutter hatten und dies mit ihren Schreien kund taten, standen die Wissenschaftler mit ihren Mikrofonen parat und zeichneten die Klagen auf. "Wir sind diejenigen, die zuerst Belege dafür geliefert haben, dass Sprache bereits mit den ersten Schreimelodien beginnt", sagt Kathleen Wermke. "Wir" - das sind Kathleen Wermke, Leiterin des Zentrums für vorsprachliche Entwicklung und Entwicklungsstörungen an der Poliklinik für Kieferorthopädie am Würzburger Universitätsklinikum, und ihr Kollege Werner Mende von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.
Schon lange ist bekannt, dass Babys im letzten Drittel der Schwangerschaft in der Lage sind, die Stimme der Mutter zu erkennen und die "Muttersprache" von einer Fremdsprache zu unterscheiden. Klar war auch, dass Neugeborene schon nach wenigen Monaten die Technik beherrschen, in ihren Schreien einfache Melodiebögen und unterschiedliche Betonungen zu erzeugen. Die Diskussion drehte sich in erster Linie um die Frage, wann sich aus einem "unkontrollierten Schrei" das erste "Sprachprodukt" entwickelt.
"Die vorherrschende Meinung war bisher, dass Neugeborene nicht aktiv auf die Lautproduktion Einfluss nehmen können", sagt Kathleen Wermke. Stattdessen galt die Überzeugung: Die Schreimelodie von Neugeborenen wird wie bei Affenjungen allein durch Aufbau und Abfallen des Atemdrucks bestimmt und ist nicht vom Gehirn beeinflusst. Diese Ansicht hat das Forscherteam jetzt widerlegt.
Signifikante Unterschiede zwischen Deutsch und Französisch
Die Wissenschaftler haben sich für ihre Untersuchung auf deutsche und französische Neugeborene konzentriert, weil zwischen diesen beiden Sprachen besonders große Unterschiede in der Intonation, also der Melodie und dem Rhythmus, existieren: "Im Französischen werden sehr viele Worte zum Ende hin betont, so dass die Sprachmelodie ansteigt, im Deutschen ist es meist umgekehrt", erklärt Angela Friederici vom Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften. So rufen beispielsweise französische Kinder nach dem "Papá", während die deutschen nach ihrem "Pápa" verlangen.
Ein ähnliches Muster fand Kathleen Wermke in ihren Analysen der mehr als 20 Stunden Schreiaufnahmen: "Die Neugeborenen bevorzugen genau diejenigen Melodiemuster, die für ihre jeweiligen Muttersprachen typisch sind", so Wermke. Was bedeutet: Die Schreimelodie der deutschen Säuglinge beginnt häufiger mit einem anfänglichen Maximum und zeigt dann eine abfallenden Kurve. Die französischen Säuglinge schreien dagegen öfter in ansteigenden Melodien und betonen damit das Ende stärker. Damit reproduzieren sie genau diejenigen Intonationsmuster, die für ihre jeweiligen Muttersprachen typisch sind.
Die Schreimelodie als Hinweis auf Sprachentwicklungsstörungen
Die frühe Sensibilität für sprachmelodische Eigenschaften könnte den Säuglingen später beim Erlernen ihrer Muttersprache helfen, so die Forscher. "Die im Weinen trainierten Melodiemuster sind Bausteine für die nachfolgenden Lautproduktionen, wie dem Gurren und Babbeln bis hin zu den ersten Worten und Sätzen", sagt Wermke. Die Wurzeln dieses Verhaltens liegen nach Ansicht der Forscher am Beginn der Evolution gesprochener Sprache vor mehreren Millionen Jahren. Es hat sich gemeinsam mit einem spezifischen Mutter-Kind-Verhalten entwickelt.
Das neue Wissen um den frühen Start des Spracherwerbs könnte nach Ansicht von Kathleen Wermke dazu beitragen, Sprachentwicklungsstörungen frühzeitig zu entdecken und dann umso besser zu behandeln. "Wenn sich zeigt, dass die Schreimelodie als Hinweis auf eine mögliche Störung nutzbar ist, trägt das natürlich dazu bei, frühzeitig eine Diagnose zu stellen", so Wermke. Schon 2007 hat ein Forscherteam um Kathleen Wermke gezeigt, dass die Melodiemuster der Schreie junger Säuglinge ein potentieller Risikoindikator für spätere Sprachentwicklungsstörungen sind.
Untersuchungen auch in anderen Ländern
Ob Neugeborene tatsächlich von Anfang an in ihrer Muttersprache schreien, wollen Wermke und ihre Mitarbeiter jetzt noch detaillierter untersuchen. Die dafür notwendigen Schreie haben sie bereits in anderen Ländern gesammelt. Die Auswertung hat gerade begonnen.
Quelle Informationsdienst Wissenschaft idw
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Eingestellt von
Dietmar
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Labels: Wissenschaft und Technik




