Generation TV: In 39 Prozent der deutschen Kinderzimmer flimmert der Fernseher
In mehr als einem Drittel der deutschen Kinderzimmer steht ein Fernseher / Computer, Spielkonsole, iPod und Handy dürfen ebenfalls nicht fehlen, das ergibt eine repräsentative Studie von immowelt.de, eines der führenden Immobilienportale / Bildungsgrad und Einkommen der Eltern bei der Geräteauswahl entscheidend
Nürnberg, 09. Mai 2012.
Allen medienkritischen Erziehungsratschlägen zum Trotz: 39 Prozent der Kinderzimmer in Deutschland sind mit einem Fernseher ausgestattet. Das ergibt eine repräsentative Umfrage von immowelt.de, eines der führenden Immobilienportale. Neben der Flimmerkiste sorgt in 32 Prozent der Haushalte ein eigener DVD-Player für die elektronische Unterhaltung im Kinderzimmer.
Reichlich Elektronik für zu Hause und unterwegs.
Überhaupt ist der deutsche Nachwuchs bestens mit Gebrauchs- und Unterhaltungselektronik versorgt: Aus jedem zweiten Kinderzimmer sind Spielkonsole und iPod oder MP3-Player nicht mehr wegzudenken. 59 Prozent nutzen für Hausaufgaben, Computerspiele, Facebook und Co. den eigenen PC oder Laptop, für die Kommunikation unterwegs sorgt bei 41 Prozent das eigene Handy. In jedem fünften Kinderzimmer liegt außerdem ein Smartphone bereit.
Mehr Bildung, weniger Fernseher.
Mit wie vielen und welchen Geräten ein Kinderzimmer ausgestattet ist, hängt auch von Bildungsstand und Einkommen der Eltern ab. Je höher deren Bildungsabschluss, desto weniger Spielkonsolen, Fernseher und Mobiltelefone finden sich im Kinderzimmer. Dafür bestücken Eltern mit höherem Abschluss Kinderzimmer öfter mit einem Computer oder Laptop (56 Prozent) als Eltern mit niedrigem Abschluss (42 Prozent).
Je höher das Einkommen der Eltern, desto prestigeträchtiger und häufiger ist auch das elektronische Equipment des Kinderzimmers mit Computer, Mobiltelefon und iPod/MP3-Player.
Die Ergebnisse der Studie im Überblick:
Welche Unterhaltungselektronik-Geräte befinden sich im Kinderzimmer Ihrer Wohnung?
• Fernseher: 39 Prozent
• DVD-Player: 32 Prozent
• Spielkonsole: 51 Prozent
• PC: 37 Prozent
• Laptop: 22 Prozent
• iPod/MP3-Player: 50 Prozent
• Handy: 41 Prozent
• Smartphone: 21 Prozent
Ist das Kinderzimmer Ihrer Wohnung mit einem PC/Laptop ausgestattet?
• Ja: 59 Prozent der Eltern mit hohem Bildungsabschluss
• Ja: 56 Prozent der Eltern mit mittlerem Bildungsabschluss
• Ja: 42 Prozent der Eltern mit niedrigem Bildungsabschluss
Für die repräsentative Studie „Wohnen und Leben 2012“ wurden im Auftrag von immowelt.de 1.012 Personen durch das Marktforschungsinstitut Innofact befragt.
Quelle Immowelt.de
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Mittwoch, 23. Mai 2012
Generation TV
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Samstag, 7. April 2012
Therapieansatz für Schwerstdepressive
April 2012 Hirnschrittmacher haben bei Patienten mit schwersten Depressionen einen Langzeiteffekt. Das haben nun Wissenschaftler der Universitätsklinik Bonn nachgewiesen. Elf Patienten nahmen an der Studie über einen Zeitraum von zwei bis fünf Jahren teil. Bei knapp der Hälfte der Probanden wurde nachhaltig eine Reduktion der Symptome um mehr als 50 Prozent nachgewiesen. Damit eröffnet sich für Menschen mit schwersten Depressionen, die auf keine andere Therapie ansprechen, eine neue Perspektive. Die Ergebnisse werden jetzt in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Neuropsychopharmacology“ vorgestellt.
Menschen mit schweren Depressionen sind ständig niedergeschlagen, antriebslos, ziehen sich zurück und empfinden keine Freude mehr. Meist haben sie Angstzustände und den Wunsch, dem eigenen Leben ein Ende zu setzen. Schätzungsweise erleidet jeder Fünfte in Deutschland im Lauf seines Lebens eine Depression – mit Folgen bis hin zum Suizid. Häufig werden die Betroffenen mit Psychotherapien und Medikamenten behandelt. „Bei manchen Patienten hilft jedoch keine Therapie“, sagt Prof. Dr. Thomas E. Schläpfer von der Bonner Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie. „Manche verharren mehr als zehn Jahre im Bett – nicht weil sie müde sind, sondern weil ihnen jeglicher Antrieb fehlt und sie unfähig sind aufzustehen.“
Ein möglicher Ausweg ist die „tiefe Hirnstimulation“, bei der den Patienten Elektroden ins Gehirn eingepflanzt werden. Zielpunkt ist der Nucleus Accumbens - eine Hirnregion, die als Belohnungszentrum bekannt ist. Dort stimuliert ein schwacher elektrischer Strom die Nervenzellen. Solche Hirnschrittmacher werden heute oft von Neurochirurgen und Neurologen zur Behandlung des ständigen Muskelzitterns bei der Parkinson-Krankheit eingesetzt.
Bereits eine Studie im Jahr 2009 bewies eine antidepressive Wirkung
Die Bonner Wissenschaftler konnten bereits im Jahr 2009 nachweisen, dass Hirnschrittmacher auch eine Wirkung bei schwerstdepressiven Patienten zeigen. Von zehn Probanden, denen Elektroden in den Nucleus Accumbens implantiert worden waren, zeigte sich bei allen eine Linderung der Symptome. Die Hälfte der Probanden sprach besonders deutlich auf die Reizung durch die Elektroden an.
„In der aktuellen Studie untersuchten wir, ob diese Effekte langfristig erhalten bleiben oder ob die Wirkung der tiefen Hirnstimulation bei den Patienten allmählich abschwächt“, sagt Prof. Schläpfer. Bei der Psychotherapie oder Behandlungen mit Medikamenten gibt es immer wieder Rückfälle. Manche der Patienten hatten bis zu 60 vergebliche Behandlungen mit Psychotherapie, Medikamenten und Elektrokrampftherapie hinter sich. „Bei der tiefen Hirnstimulation hält die klinische Verbesserung hingegen über Jahre hinweg konstant an.“ Die Wissenschaftler beobachteten insgesamt elf Patienten über einen Zeitraum von zwei bis fünf Jahren. „Wer anfangs auf die tiefe Hirnstimulation ansprach, spricht auch heute noch darauf an“, fasst der Bonner Psychiater die Ergebnisse zusammen. Ein Patient schied im Lauf der Studie durch einen Suizid aus dem Leben. „Das ist sehr bedauerlich“, sagt Prof. Schläpfer. „Dies lässt sich bei schwerstdepressiven Patienten aber nicht immer verhindern.“
Die aktuelle Studie zeigt: Die positiven Effekte halten jahrelang an
Die Teilnehmer der Studie zeigten bereits nach kurzer Zeit eine Besserung der Symptome. „Die Intensität der Angstsymptome nahm ab, der Antrieb der Probanden verbesserte sich“, berichtet der Psychiater. „Nach vielen Jahren der Krankheit konnten einige sogar wieder arbeiten.“ Die Wissenschaftler wiesen nun mit der aktuellen Publikation nach, dass die positiven Effekte über einen längeren Zeitraum nicht abnehmen. „Bei allen Testpersonen war eine Besserung der Symptome zu verzeichnen, bei knapp der Hälfte lag das Ausmaß der Beschwerden auch Jahre nach dem Beginn der Behandlung um mehr als 50 Prozent unter dem Ausgangswert“, sagt Prof. Schläpfer. „Schwerwiegende Nebenwirkungen der Therapie waren nicht zu verzeichnen.“
Die langfristige Wirkung ist nun mit der aktuellen Studie bestätigt. Wie genau die elektrische Stimulation in der Lage ist, die Funktion des Nucleus Accumbens zu verändern, ist noch nicht bekannt. „Hier gibt es noch Forschungsbedarf“, sagt Prof. Schläpfer. „Mit bildgebenden Verfahren wurde nachgewiesen, dass die Elektroden den Nucleus Accumbens tatsächlich aktivieren.“ Das Verfahren der tiefen Hirnstimulation bedeute möglicherweise eine Hoffnung für Menschen, die an den schwersten Formen von depressiven Erkrankungen leiden. „Bis dieses Therapieverfahren zur klinischen Standardanwendung wird, ist es allerdings noch ein weiter Weg“, sagt der Bonner Wissenschaftler.
Quelle Informationsdienst Wissenschaft idw
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Sonntag, 12. Februar 2012
Bundesforschungsministerin Schavan zum Thema Demenz
Mehr als 1,3 Millionen Deutsche sind an Demenz erkrankt; zwei Drittel von ihnen leiden unter Alzheimer. Neurodegenerative Erkrankungen sind für die Patienten und ihre Angehörigen eine schwere Bürde. Die Neurowissenschaft weiß inzwischen, was bei Demenz im Gehirn passiert und versucht möglichst genau zu klären, welche molekularen Prozesse letztlich den Zelltod bei degenerativen Erkrankungen verursachen. Das könnte helfen, die Krankheit früh zu diagnostizieren - und eine frühe Diagnose wiederum ist eine Voraussetzung für präventive Behandlungen, die das Absterben der Nervenzellen künftig möglicherweise verhindern könnten. Aber: Alzheimer ist bis heute nicht heilbar, es gibt auch keine wirksame Prävention, auch wenn Bewegungsmangel offenbar ein Risikofaktor ist.
Interview mit Bundesforschungsministerin Annette Schavan über die Demenzforschung in Deutschland
Frage: Frau Schavan, mehr als 1,3 Millionen Deutsche sind an Demenz erkrankt, zwei Drittel von ihnen leiden unter Alzheimer. Was genau ist das eigentlich?
Schavan: Alzheimer ist eine neurodegenerative Erkrankung, bei der langsam fortschreitend Nervenzellen im Gehirn absterben. Es gibt verschiedene Demenz-Erkrankungen, Alzheimer ist die häufigste davon. Die Symptome sind schwerwiegend: Die kognitiven Fähigkeiten der Patienten lassen schrittweise nach. Zunächst suchen die Kranken vielleicht nur nach dem richtigen Wort, dann sind sie mehr und mehr verwirrt, Orientierungs- und Erinnerungsvermögen werden weniger. Es ist ein ständiger Kampf gegen das Vergessen. Das Verhalten dementer Menschen kann sich so verändern, dass Angehörige gar nicht mehr glauben mögen, dass sie es mit ein und derselben geliebten Person zu tun haben. Ihre Pflege kann sehr traurig und frustrierend sein.
Frage: Das Schicksal des erkrankten Fußballmanagers Rudi Assauer erschüttert viele. Gibt es immer mehr Kranke?
Schavan: Die Zahl der Neuerkrankungen liegt bei rund 200.000 pro Jahr. Und durch den demografischen Wandel verschärft sich die Situation: Die Menschen werden bekanntlich immer älter. Wenn es uns nicht bald gelingt, neue Präventionsmaßnahmen und Therapieverfahren zu entwickeln, wird sich die Zahl der Kranken weiter erhöhen. Dann ist nicht ausgeschlossen, dass im Jahr 2040 2,5 Millionen Menschen in Deutschland demenzkrank sind. Fast die Hälfte davon würde auf intensivste Betreuung und Pflege angewiesen sein. Wir müssen uns also beeilen. Denn Alzheimer und Parkinson, die andere große neurodegenerative Erkrankung, sind nicht nur für die Patienten und ihre Angehörigen eine schwere Bürde, sie belasten die gesamte Gesellschaft.
Frage: Wie weit ist die Forschung?
Schavan: Die Gesundheitsforschung ist ein Schwerpunkt unserer Politik. Was bei Demenz im Gehirn passiert, wissen wir inzwischen relativ gut. Aber unklar ist, warum es passiert. Die Neurowissenschaft versucht deswegen, möglichst genau zu klären, welche molekularen Prozesse letztlich den Zelltod bei degenerativen Erkrankungen verursachen. Das könnte helfen, die Krankheit früh zu diagnostizieren - und eine frühe Diagnose wiederum ist eine Voraussetzung für präventive Behandlungen, die das Absterben der Nervenzellen künftig möglicherweise verhindern könnten.
Aber: Alzheimer ist bis heute nicht heilbar, es gibt auch keine wirksame Prävention, auch wenn wir inzwischen wissen, dass zum Beispiel Menschen, die sich körperlich und geistig nicht betätigen, offenbar ein höheres Risiko haben, an Alzheimer zu erkranken. Leider ist das so: Die Ursachen von Demenz sind noch immer so wenig bekannt, dass eine effiziente Behandlung nicht möglich ist. Hier müssen wir schneller als bisher voran kommen. Die Voraussetzungen dafür haben wir geschaffen.
Frage: Was tut die Bundesregierung?
Schavan: Vor drei Jahren haben wir das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen gegründet, kurz DZNE. Es ist ein Leuchtturm, der die deutsche Forschung auf diesem Gebiet bündelt und verstärkt. Forscher der unterschiedlichsten Disziplinen arbeiten unter dem Dach der Helmholtz-Gemeinschaft zusammen. Das DZNE ist in Bonn angesiedelt, hat aber mehrere Außenstellen und arbeitet eng mit Hochschulen und Hochschulkliniken zusammen. Das ist europaweit einzigartig: So gezielt wird nirgendwo sonst Demenzforschung betrieben. Es gilt, wirksame Therapien zu entwickeln und neue Möglichkeiten der Früherkennung und Prävention aufzuzeigen. Die Grundlagenforschung liefert wichtige Resultate - die müssen immer wieder rasch auf ihre Praxistauglichkeit überprüft werden. Das DZNE wird übrigens maßgeblich vom Bundesforschungsministerium finanziert, sein jährliches Budget beträgt 66 Millionen Euro. Insgesamt fördert das Ministerium die Demenzforschung mit einem jährlichen Gesamtvolumen von rund 85 Millionen Euro.
Frage: Woran wird konkret geforscht? Haben Sie Beispiele?
Schavan: Ja natürlich. Man muss wissen: Von der Entwicklung eines neuen Wirkstoffs bis hin zum fertigen Medikament vergehen in der Regel zehn bis zwölf Jahre. Und das heißt dann noch lange nicht, dass dieses neue Medikament dann auch wirkt: Viele Wirkstoffe werden getestet und als geeignet empfunden, in klinischen Studien mit den Patienten erweisen sie sich dann aber leider als nicht wirksam. Das DZNE hat darum ein Verfahren entwickelt, mit dem Wirkstoffe gegen Alzheimer besonders effektiv erprobt werden können. Es geht um neue Methoden der Medikamentenentwicklung. Ein anderes Beispiel: Neurologen untersuchen, wie sich das Gehirn von Alzheimer-Patienten verändert, im Fokus haben sie dabei den sogenannten Lipidstoffwechsel. So hoffen sie, die Krankheit frühzeitig erkennen zu können. In einem anderen Forschungsansatz geht es um einen Farbstoff der Flechte Roccella tinctoria, der offenbar die schädlichen Alzheimer-Ablagerungen im Gehirn unschädlich machen kann - bislang allerdings nur in Zellkulturexperimenten.
Demenzforschung ist sehr vielfältig. Es braucht nicht nur biomedizinische Forschung sondern wir stellen uns auch die Frage: Wie kann ein leistungsfähiges Versorgungssystem für immer mehr chronisch Kranke Menschen organisiert werden?
Frage: Die Pflege von Demenzkranken erfordert besonders viel Können und Hingabe. Kann die Forschung auch dazu etwas beitragen?
Schavan: Sicher. Demenzerkrankungen sind eine drängende gesellschaftliche Herausforderung. Viele von uns haben Kranke in ihrer Familie, im Freundes- oder Bekanntenkreis. Wir müssen dafür sorgen, dass die sehr gute Demenzforschung in Deutschland den Patienten, aber auch ihren Angehörigen und den professionellen Pflegern schnell zugutekommt. Auch die Pflege kann besser werden. So können viele Kranke ihre Wünsche und Gefühle nicht mehr richtig ausdrücken. Sie kommunizieren kaum mehr über die Sprache, dafür werden für sie Blickkontakt, Mimik oder Berührung umso wichtiger. Hier setzen neue Methoden in der Pflege an, deren Entwicklung vom Bundesforschungsministerium finanziell unterstützt werden. Etwa die sogenannte "Basale Stimulation", die die Sinne der Patienten aktiviert: Wie genau lässt sich zum Beispiel durch den Geruch eines Lieblingsgerichts der Appetit anregen. Egal ob professionelle Pflegekräfte oder pflegende Angehörige: Nur wer um die völlig andere Welt weiß, in der demente Menschen Leben, kann richtig mit ihnen umgehen.
Quelle Bundesministerium für Bildung und Forschung
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Samstag, 11. Februar 2012
Suchtmittelkonsum bei Jugendlichen rückläufig
Februar 2012 Die aktuelle Repräsentativerhebung „Die Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2011“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zeigt, dass der Konsum von Alkohol, Tabak und Cannabis unter Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren in den letzten zehn Jahren kontinuierlich zurückgegangen ist. Im Gegensatz zum insgesamt positiven Trend bei den Jugendlichen ist bei den jungen Erwachsenen zwischen 18 bis 25 Jahren der Alkoholkonsum unverändert hoch und der Cannabiskonsum stabil. Lediglich beim Tabakkonsum ist auch in dieser Altersgruppe ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen.
Die aktuelle Repräsentativerhebung „Die Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2011“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zeigt, dass der Konsum von Alkohol, Tabak und Cannabis unter Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren in den letzten zehn Jahren kontinuierlich zurückgegangen ist. Im Gegensatz zum insgesamt positiven Trend bei den Jugendlichen ist bei den jungen Erwachsenen zwischen 18 bis 25 Jahren der Alkoholkonsum unverändert hoch und der Cannabiskonsum stabil. Lediglich beim Tabakkonsum ist auch in dieser Altersgruppe ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. Befragt wurden 5.001 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 12 bis 25 Jahren.
„Es ist erfreulich, dass immer weniger Kinder und Jugendliche mit Suchtstoffen in Berührung kommen. Dies ist ein Zeichen, dass die vielfältigen Präventionsmaßnahmen greifen", so die Drogenbeauftragte Mechthild Dyckmans. „Gleichzeitig zeigen die aktuellen Zahlen aber auch die weiterhin dringlichen Handlungsfelder auf: So wird die zielgruppenspezifische Prävention riskanter Konsummuster – insbesondere beim Alkohol – vorrangig bleiben.“
„Bei minderjährigen Jugendlichen hat in den letzten Jahren eine Trendumkehr im Suchtmittelkonsum stattgefunden. Dies lässt sich am Rückgang beim Tabakkonsum auf einen neuen Tiefstand, am Rückgang im Cannabiskonsum und jetzt auch beim Rauschtrinken festmachen“, erklärt Prof. Dr. Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. „Diese positiven Trends müssen fortgesetzt werden, damit sie später auch im Erwachsenenalter Wirkung zeigen. Dafür ist vor allem im Bereich der Alkoholprävention eine Fortsetzung der Kampagnenaktivitäten in den nächsten Jahren unverzichtbar.“
Die seit mehr als drei Jahrzehnten regelmäßig durchgeführte Drogenaffinitätsstudie der BZgA ist das zentrale Instrument zur Erfassung von Trends im Suchtmittelkonsum junger Menschen in Deutschland. Die repräsentativen Daten stellen die Basis dar für die Steuerung nationaler Aktivitäten der BZgA zur Suchtprävention. Die aktuellen Zahlen belegen, dass die bundesweiten Maßnahmen, die in erster Linie auf jüngere Zielgruppen gerichtet sind, wirken. Die langjährigen und kontinuierlichen Aktivitäten in der Tabakprävention haben nicht nur bei Jugendlichen, sondern zunehmend auch bei jungen Erwachsenen zu Konsumrückgängen geführt. Wenn weiterhin mit unverminderter Intensität koordinierte Maßnahmen für die Alkoholprävention durchgeführt werden, können auch in diesem Bereich solche Effekte erwartet werden.
Wichtigste Ergebnisse zu den einzelnen Suchtmitteln
Alkoholkonsum
Der regelmäßige, das heißt mindestens wöchentliche, Alkoholkonsum ist bei den 12- bis 17-Jährigen von 17,9 Prozent im Jahr 2001 auf 14,2 Prozent im Jahr 2011 deutlich zurückgegangen. Bei den jungen Erwachsenen zwischen 18 bis 25 Jahren ist gegenüber 2001 keine Veränderung zu verzeichnen (39,8 Prozent).
Rauschtrinken (Binge Trinken) bezeichnet den Konsum von mindestens fünf alkoholischen Getränken bei einer Trinkgelegenheit. Die Verbreitung dieses besonders riskanten Alkoholkonsums erfasst die BZgA mit der Drogenaffinitätsstudie seit 2004. Gaben damals noch 22,6 Prozent der 12- bis 17-jährigen Jugendlichen an, in den letzten 30 Tagen Rauschtrinken praktiziert zu haben (30-Tage-Prävalenz), so ist diese Quote im Jahr 2011 auf 15,2 Prozent signifikant zurückgegangen. Bei den 18- bis 25-Jährigen liegt die 30-Tage-Prävalenz des Rauschtrinkens im Jahr 2011 bei 41,9 Prozent und ist damit fast unverändert hoch wie im Jahr 2004 (43,5 Prozent).
Tabakkonsum
Die Raucherquote unter den Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren ist auf einen neuen historischen Tiefstand gesunken: von 27,5 Prozent in 2001 auf 11,7 Prozent in 2011. Auch die Raucherquote unter jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 25 Jahren ist im selben Zeitverlauf signifikant von 44,5 Prozent auf 36,8 Prozent zurückgegangen.
Parallel zu dieser Entwicklung ist der Anteil der jungen Menschen, die noch nie im Leben geraucht haben, weiter gestiegen: Unter den 12- bis 17-Jährigen hat sich der Nieraucheranteil von 40,5 Prozent in 2001 auf 70,8 Prozent in 2011 und unter den 18- bis 25-Jährigen signifikant von 23,1 Prozent in 2001 auf 27,6 Prozent in 2011 erhöht.
Cannabiskonsum
Im Jahr 2011 gaben 6,7 Prozent der 12- bis 17-jährigen Jugendlichen an, schon einmal Cannabis konsumiert zu haben (Lebenszeitprävalenz). Damit hat sich der Prozentsatz im Vergleich zum Spitzenwert aus dem Jahr 2004 (15,1 Prozent) mehr als halbiert. Demgegenüber ist die Lebenszeitprävalenz des Cannabiskonsums unter jungen Erwachsenen (18 bis 25 Jahre) unwesentlich zurückgegangen – von 43,0 Prozent in 2004 auf 39,2 Prozent in 2011.
Der Bericht mit den Ergebnissen der Studie „Die Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2011“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung steht zum Download unter http://www.bzga.de/forschung/studien-untersuchungen/studien/suchtpraevention/ und unter http://www.drogenbeauftragte.de
Quelle Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
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Labels: Sucht
Neue Erkenntnisse zur Entstehung von Epilepsie
Februar 2012 Forscher identifizieren einen ursächlichen Defekt
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin konnten erstmals entschlüsseln, welche speziellen Störungen der Nervenzellen an der Entstehung von fokalen, therapieresistenten Epilepsien beteiligt sind. Ursächlich ist unter anderem die Verminderung bestimmter zellulärer Transportproteine, welche die korrekte Signalverarbeitung zwischen den Nervenzellen verhindert. Die Ergebnisse der Studie wurden im Journal of Physiology* veröffentlicht.
Epilepsie ist eine chronische Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS). Betroffen ist etwa ein Prozent der Bevölkerung. Eine sogenannte Übererregbarkeit der Nervenzellen führt dazu, dass eine zunächst kleine Gruppe von ihnen viel zu oft zu große Impulse weitergeben. Dadurch können größere Nervenzellverbände gleichzeitig erregt werden und ein epileptischer Krampfanfall ist die Folge.
Privatdozent Dr. Rudolf Deisz vom Institut für Zell- und Neurobiologie am Campus Charité Mitte und sein Forschungsteam konnten erstmals einen der ursächlichen molekularen Mechanismen im menschlichen Gewebe aufklären. Sie zeigten, dass in der Ursprungszone des Anfalls die Funktion bestimmter zellulärer Ionentransporter beeinträchtigt ist. Die Konsequenz ist eine Fehlverteilung von Chloridionen an den Nervenzellen, wodurch die korrekte Signalweitergabe durch den hemmenden Überträgerstoff GABA im Zentralnervensystem gestört wird. Letztlich wird also durch die Fehlverteilung von Chloridionen eine gesteigerte Nervenzellaktivität ermöglicht, da der Chloridgradient über der Zellmembran entscheidend für die Effektivität der hemmenden GABA Wirkung ist.
Bisher wurde angenommen, dass ein Defekt der GABA-Rezeptoren selbst für die gestörte Hemmung verantwortlich ist. Mit der aktuellen Studie konnte das Forscherteam diese weit verbreitete Theorie zur Epilepsieentstehung widerlegen. Gleichzeitig liefern die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine Erklärung dafür, dass die meist verordneten Medikamente bei vielen Patientinnen und Patienten versagen.
„Unsere Ergebnisse zeigen nicht nur eine entscheidende, ursächliche Störung bei der Epilepsie“, erklärt Privatdozent Dr. Deisz. „Wir sind zuversichtlich, damit auch einen Ansatzpunkt zur Entwicklung wirksamerer Medikamente für die Behandlung der Epilepsie gefunden zu haben.“
Quelle Informationsdienst Wissenschaft idw
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Donnerstag, 5. Januar 2012
Zusammenhang zwischen Körpergröße von Kindern und der sozialen Stellung der Eltern
Forschungsergebnisse einer Studie von Wirtschaftshistorikern der Universität Tübingen
Vor kurzem wurde die deutsche Öffentlichkeit von einer Meldung erschreckt, wonach prekäre Arbeitsverhältnisse zu einer niedrigeren Lebenserwartung – insbesondere in Ostdeutschland - führen können. Dass sich Arbeitslosigkeit und sozialer Status der Eltern auch sehr erheblich auf die Körpergröße von Kindern und damit auch auf Lebensqualität und Gesundheit auswirken, konnten Prof. Dr. Jörg Baten von der Universität Tübingen und Andreas Böhm vom Landesgesundheitsamt Brandenburg in einem kürzlich abgeschlossenen Forschungsprojekt zeigen.
Dass die Körpergröße ein Indikator für die Qualität der medizinischen Versorgung und Ernährung sein kann, erscheint vielen bereits intuitiv einleuchtend. Betrachtet man die großen Hungersnöte und Versorgungsengpässe ausgelöst durch Kriege und Naturkatastrophen in den vergangenen Jahrhunderten, so ist zu beobachten, dass die davon betroffenen Menschen deutlich kleiner sind als Menschen aus Regionen, in denen eine normale Versorgung besteht. Doch dass es keiner großen Kriege bedarf, dass Menschen in gewisser Weise unterversorgt sind und damit auch weniger wachsen als andere, zeigen nun die Forschungsergebnisse des Tübinger Wirtschaftshistorikers Baten. Dabei ist zu beachten, dass diese Körpergröße als Indikator nur für Durchschnitte einer großen Anzahl von Körpergrößen gilt. Die geringe Körpergröße eines einzelnen Menschen sagt nichts über das Wohlergehen aus, weil es eine breite genetische Streuung gibt.
Im Mittelpunkt der Untersuchungen stand das Wachstum von Kindern aus dem Bundesland Brandenburg. Die Wissenschaftler untersuchten, inwiefern eine hohe Arbeitslosigkeit in der Region und weitere Faktoren, wie beispielsweise eine hohe Abwanderungsrate, das Wachstum von Kindern in dem Zeitraum 1994 bis 2006 beeinflussten. Die Daten stammen vom Landesgesundheitsamt Brandenburg und wurden im Zuge der Einschulung von Erstklässlern erhoben. Dabei konnte nicht nur die Körpergröße, das Alter und das Geschlecht von über 250.000 Kindern dokumentiert werden. Es wurden auch sozioökonomische Daten beispielsweise zum beruflichen Status der Eltern, deren Ausbildungsniveau sowie Anzahl der Kinder und Anzahl der Erwachsenen je Haushalt erfasst.
Anhand dieser Daten zeigen Baten und Böhm, dass die Arbeitslosigkeit der Eltern einen signifikant negativen Einfluss auf die Körpergröße ihrer Kinder hat. Dabei scheint jedoch das mit einer Arbeitslosigkeit einhergehende geringere Einkommen eine weniger bedeutende Rolle zu spielen, als psychologischer Stress und Frustration der Eltern. Diese Faktoren könnten zu einer Vernachlässigung der Kinder bezüglich ihrer Versorgung führen. Auch die Abwanderungsrate als ein Maß für die wirtschaftlichen Bedingungen eines bestimmten Gebiets steht in einem negativen Zusammenhang mit der Körpergröße der Kinder. Da es häufig eher die gebildetere Bevölkerungsschicht ist, die eine Region in der Folge schlechter Bedingungen verlässt, bleiben die weniger Gebildeten zurück. Da gerade Familien mit gebildeten Eltern in der Regel mehr Wert auf eine gesunde Ernährung und medizinische Versorgung der Kinder legen, entwickeln sich diese besser und werden größer.
Von besonderer Bedeutung scheint insbesondere das Ausbildungsniveau der Mutter zu sein, da sich die Mutter in der Regel an erster Stelle um Belange wie Ernährung und Versorgung der Kinder kümmert. Interessanterweise stellen die Autoren jedoch auch fest, dass Kinder von Alleinerziehenden bezüglich ihrer Körpergröße keinen Nachteil gegenüber Kindern aus Familien mit zwei Elternteilen aufweisen. Allerdings zeigt sich ein positiver Einfluss auf die Größe der Kinder, sobald drei oder mehr Erwachsene im gleichen Haushalt leben, also wenn beispielsweise zusätzlich Großeltern vor Ort sind, die die Versorgung der Kinder mit unterstützen.
Insgesamt kann festgehalten werden, dass die Körpergröße von Kindern aus Brandenburg in dem Zeitraum 1994 bis 2006 negativ durch die hohe Arbeitslosigkeit der Eltern beeinflusst wurde. Dieser Effekt bleibt auch nach Kontrolle durch andere mögliche Faktoren bestehen. Damit zeigt sich, dass die Körpergröße von Kindern als ein äußerst sensibler Indikator für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung einer Region herangezogen werden kann.
Quelle Universität Tübingen
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Labels: Gesellschaft, Psyche allgemein, Stress
Donnerstag, 8. Dezember 2011
Lautes Fluchen nimmt den Schmerz
Eigentlich braucht man dazu ja keine Studie. Gewusst haben wir es ja schon immer. Gegen den Schmerz, wenn wir nicht den Nagel sondern mal wieder den Daumen getroffen haben, hilft am besten lautes Fluchen. Genau so wie beim Lesen des neusten Bittschreibens vom Finanzamt lautes Schreien kurzfristig Erleichterung verschafft.
Doch nun gibt es diese Erkenntnis auch schwarz auf Weiß:
Mit dem Hammer auf den Daumen und ein lautes "Mist!" auf den Lippen – Fluchen kann tatsächlich Schmerzen lindern. Allerdings nutzt sich dieser Effekt ab, je häufiger man im täglichen Leben wettert. Das haben Froscher der Keele University in Staffordshire in Großbritannien herausgefunden.
Bereits in vorangegangenen Untersuchungen konnten die Wissenschaftler den schmerzstillenden Effekt des Fluchens beweisen. Dabei baten sie 64 gesunde Testpersonen, ihre Hand so lange wie möglich in Eiswasser zu tauchen. Dabei konnten sie ein Fluchwort ihrer Wahl, so oft sie wollten, wiederholen. In einem zweiten Durchgang benutzten sie statt des Fluchs ein wertfreies Wort. Das Ergebnis: Die Testpersonen hielten dem Schmerz des Eiswassers um bis zu 50 Prozent länger stand, wenn sie richtig loswettern durften.
Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Fluchen unser natürliches Verhalten in Stresssituationen imitiert. In der Vorzeit blieben im Stress zwei Handlungsalternativen: Flüchten oder Kämpfen. Moderne Menschen tun beides nicht mehr, sondern versuchen, den Stress auszuhalten. Die Experten der Keele University stellte bei den Testpersonen eine Beschleunigung des Herzschlages während des Fluchens fest. Dies sei für sie ein Hinweis darauf, dass durch das Fluchen Aggressionen aufgebaut würden, die in der Vorzeit zu Kampfhandlungen in Stresssituationen beigetragen hätten. Stress und damit auch die Schmerzen können so besser ausgehalten werden.
Wer allerdings zu häufig flucht, bei dem nutzt sich dieser Effekt ab. Das zeigen die neuen Experimente der Forschergruppe: Bei den Testpersonen, die auch im Alltag häufig fluchen, war der schmerzstillende Effekt deutlich geringer ausgeprägt als bei Versuchspersonen, die damit normalerweise zurückhalten.
Quelle Aponet.de
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Labels: Schmerz/Schmerztherapie
Freitag, 2. Dezember 2011
Verkehrte Welt" - Sexualität in der Schwangerschaft
Berlin, 1.12.2011 – Angebliche medizinische Gründe, die gegen Sex in der Schwangerschaft sprechen, beruhen auf Mythen. Womöglich sind sie aber eine gute "Ausrede" für den Mann. Denn in der Schwangerschaft ist die Welt ein wenig verdreht: Sie will mehr als sonst, er weniger. Darauf wies heute Dr. Babett Ramsauer vom Vivantes Klinikum Berlin Neukölln beim 25. Deutschen Kongress für Perinatale Medizin hin, der noch bis zum Samstag im Berliner ICC stattfindet.
Schon ein Blick in entsprechende Internetforen bringe Erstaunliches zu Tage, sagte die Frauenärztin. Entgegen der sonst passiveren Rolle, dem im Vergleich zu Männern nicht so häufigen sexuellen Verlangen der Frauen, äußern Schwangere in den Foren ein lustvolles, "unersättlich" erscheinendes Bedürfnis, das von ihren Männern nicht befriedigt werde. Die Schwangerschaft scheint die sexuelle Welt auf dem Kopf zu stellen.
Frau Dr. Ramsauer hat zahlreiche Paare zu dem Thema befragt. Dabei stellte sich heraus, dass sich Frauen in der Schwangerschaft als attraktiver und anziehender empfinden. Sie scheinen endlich einmal mit ihrer Figur zufrieden zu sein und sich wohl zu fühlen, trotz der Veränderungen ihrer körperlichen Proportionen: kein Lamentieren über "zu" große oder "zu" kleine Brüste, runde Formen und eingeschränkte Beweglichkeit, sogar dicke Füße gehören halt dazu. Dieses Selbstbewusstsein scheint einen weitreichenden Einfluss auf das sexuelle Verlangen zu haben. Die Frauen fühlen sich anziehend und sind lustvoll. Die medizinische Seite ist dabei sicher nur ein Aspekt der Erklärung: Durch hormonelle Umstellungen entsteht eine vermehrte Lubrikation (Feuchtigkeit in die Scheide), die zu einer gesteigerten Erregbarkeit auch schon vor direktem sexuellen Kontakt führt.
Die Rolle des Mannes hingegen ist zunehmend von Angst gesteuert. Werdende Väter reden gerne von Gefahren wie vermeintlich mögliche Verletzungen des Kindes, Auslösen von Blutungen, Verursachung eines Blasensprunges oder Auslösen von Wehentätigkeit durch Sex. Spätestens mit der ersten Wölbung des Babybauches kommt es bei nicht wenigen Männern zu einer vollständigen sexuellen Blockade. Und das zu einem Zeitpunkt, wo eventuelle anatomische Besonderheiten, die eine gewisse Kreativität bei Sexualpraktiken verlangen, überhaupt nicht akut sind. Eigentlich könnte doch dabei jetzt ein anderer Aspekt in den Vordergrund treten: Sexualität nun endlich unbeschwert zu genießen. Es ist passiert, was vielleicht das Ziel der letzten Monate war; oder es ist das passiert, was zwar nicht gewollt, aber nun Realität ist – eine Schwangerschaft ist eingetreten. Man hat sich mit dieser neuen Situation arrangiert. Vorbei die Zeit der lästigen Verhütung, des auf der Hut sein, damit "nichts passiert" oder des auf der Hut sein, dass etwas passiert, vorbei Sex nach Kalender und Uhrzeit, getimt nach dem vermuteten Einsprung. Das alles müsste eine Erleichterung sein, spiegelt sich aber im männlichen Verhalten nicht wider.
Aufklärung kann zumindest teilweise weiter helfen. Es gibt keine wissenschaftlichen Studien die belegen, dass Sexualität in der Schwangerschaft einen Schaden verursachen könnte und besser unterbleiben sollte. Mythen lassen sich schnell entkräften.
° Im Sperma sind Prostaglandine enthalten, die Frühgeburten auslösen: Die Menge an Prostaglandinen im Sperma ist zu gering, um eine Geburt auszulösen. Frühgeburt durch Sex ist wissenschaftlich nicht belegt.
° Durch mechanischen Reiz und Orgasmus der Frau kommt es zu Geburtswehen: Auch diese Theorie ist durch Untersuchungen nicht zu belegen. Weder Penetration noch Petting mit nachfolgendem Orgasmus führt zu Kontraktionen der Gebärmuttermuskulatur und in der Folge zu Wehen.
° Durch Sex bekommen Frauen vermehrt Infektionen in der Schwangerschaft: Belegt ist zwar, dass in sozial schwächeren Gesellschaftsschichten Genitalinfektionen grundsätzlich häufiger vorkommen. Der "Ping-Pong-Effekt" beschreibt die wechselseitige Ansteckung der Sexualpartner. In diesen Partnerschaften liegt eine Infektion aber gehäuft bereits bei Eintreten der Schwangerschaft vor. Für eine Neuinfektion in der Schwangerschaft, außerhalb dieses Risikokollektives, ist die Ursache vielmehr in einer individuellen Veranlagung als in der Ansteckung durch den Partner zu suchen.
Somit sei Sexualität in der Schwangerschaft keine medizinische, sondern eine partnerschaftliche, gesellschaftliche, geschlechtsspezifische und religiöse Frage, sagte Babett Ramsauer.
Hier sei ein Blick in die muslimische Welt interessant. Der Koran schreibt in mehreren Suren über Sexualität und auch über Sexualität in der Schwangerschaft. Sexualverkehr mit ihren schwangeren Frauen ist demnach nicht nur erlaubt, sondern auch die Pflicht der Ehemänner. Eine Befragung der muslimischen Frauen zu diesem Thema ist nur eingeschränkt möglich und kann nicht repräsentativ sein. Aber es gibt Anhaltspunkte dafür, dass die "keusche, demütige" muslimische Frau ein befriedigendes Sexualleben vor allem in der Schwangerschaft hat.
Unser westlich orientiertes, kaum noch durch Religion geprägtes Denkschema gerate durcheinander, eklärte die Frauenärztin. Schwangere Frauen bei uns werden von ihren Männern enttäuscht. Zur Rolle von Gynäkologinnen und Gynäkologen gehört es durchaus, ihre Patientinnen zu beraten, wie ihr sexuelles Verlangen gerade in der Schwangerschaft befriedigt wird. Die Rolle des Gynäkologen sollte jedoch nicht wieder die des "Gottes in Weiß" – quasi als Religionsersatz – sein. Den Männern kann die Angst vor Sexualität in der Schwangerschaft ihrer Frauen durch eine gute Aufklärung genommen werden. Und wo Gynäkologen übereilte Sexverbote bei fast jeglicher Form einer Risikoschwangerschaft aussprechen, spiegelt das meist mehr deren Angst wider als wissenschaftliche Erkenntnisse.
Quelle Informationsdienst Wissenschaft idw
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Labels: Sexualität
Samstag, 12. November 2011
Psychische Gesundheit und gesunde Lebensweise
November 2011 Psychische Gesundheit und eine gesunde Lebensweise bedingen sich Gegenseitig. Psychische und körperliche Gesundheit sind eng miteinander verknüpft. So der Kern einer neuen Studie des Robert-Koch-Instituts. Dabei wirkt sich ein höherer Sozialstatus positiv auf das Gesundheitsverhalten und die psychische Gesundheit aus.
Gemäß der Studie leiden Menschen mit niedrigem Sozialstatus häufiger an psychischen Störungen wie z.B. Depressionen oder Ängsten.Depressionen und anderen psychischen Beeinträchtigungen. Ein wesentlicher Grund hierfür könnte ein allgemein ungesünderer Lebensstil sein. Wobei offen bleibt, ob ein ungesunder Lebensstil in der Mehrheit eher Ursache oder aber Folge psychischer Erkrankungen ist.
Zu einem gesunden Lebensstil gehören täglicher Verzehr von Obst und Gemüse, ein ausgeglichenes Gewicht, mehr als zwei Stunden Sport pro Woche, Nichtrauchen und ein gemäßigter Alkoholkonsum.
Auch ergab die Studie einen relativ höheren Anteil psychischer Erkrankungen bei Frauen sowie eine Abhängigkeit der Häufigkeit vom Alter.
Wobei Studien dieser Art natürlich auch immer mit einer gewissen Vorsicht betrachtet werden müssen. So gilt es z.B. auch als Fakt, das Männer psychische Erkrankungen eher verheimlichen und nicht damit in die Öffentlichkeit gehen, womit z.B. eine höhere Frauenquote in derartigen Studien begründet sein könnte.
Die gesamte Studie ist nachzulesen unter Robert-Koch-Institut.
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Eingestellt von
Dietmar
um
01:59
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Labels: Depression, Gesellschaft, Psyche allgemein





