Freitag, 18. April 2014

Hilfe bei Magersucht

Weltweit größte Studie zeigt erstmals, dass Psychotherapie bei Magersucht langfristig hilft
Magersucht ist eine Krankheit, die man nicht einfach mit Medikamenten behandeln kann. Alle Gedanken kreisen ums Essen – es gibt nichts Schlimmeres als ein Gramm zuzunehmen. Oft sind die Körperfunktionen durch die Mangelernährung so beeinträchtigt, dass Betroffene ins Krankenhaus eingewiesen werden müssen. Eine vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützte Studie zeigt nun erstmals, dass Psychotherapie bei Magersucht wirklich langfristig hilft. (Newsletter 66 / Februar 2014)

Melissa S. ist stolz. Sie steht vor dem Spiegel und hat endlich ihr Wunschgewicht erreicht. Sie belohnt sich mit einer schicken neuen Hose. Vielleicht schafft sie es ja, noch mehr abzunehmen, dann passt ihr vielleicht auch der Rock, der letztens noch so eng war, dass sie den Reißverschluss nicht schließen konnte. Was bei Frauen oft mit einer Diät anfängt, wie hier bei Melissa, kann in extremen Fällen tödlich enden.


Bei Magersüchtigen dreht sich alles ums Essen, dabei verlieren sie immer weiter an Gewicht.
Alles dreht sich nur noch ums Essen

Ohne es selbst zu merken, geraten die Betroffenen in einen Strudel, bei dem sich zwar scheinbar alles nur noch ums Essen dreht, sie aber immer weiter an Gewicht verlieren. So weit, dass sie zu verhungern drohen. Oft ist der letzte Ausweg die Einweisung in eine Klinik. Dort müssen die Betroffenen dann oft mühsam und unter strenger medizinischer Aufsicht wieder zunehmen. Längst sind nicht mehr nur junge Mädchen und Frauen betroffen. Es erkranken auch immer mehr Männer. Die Krankheit heißt Magersucht, der korrekte medizinische Ausdruck ist Anorexia Nervosa.
Magersüchtige bestehen oft nur noch aus Haut und Knochen, empfinden sich aber selbst als zu dick. Diese gestörte Selbstwahrnehmung ist typisch für Magersüchtige und auch der Grund, warum Krankenhausaufenthalte zur alleinigen Gewichtszunahme nicht helfen. Magersucht ist eine Essstörung, die psychische Gründe hat und die man nur durch eine entsprechende Psychotherapie in den Griff bekommen kann. Doch haben die bisher in Deutschland gängigen Psychotherapien bei Magersucht wirklich einen Effekt? Und welche von den psychotherapeutischen Behandlungsformen ist die beste? Antworten zu diesen Fragen standen bislang aus.

Realistische Chance auf Besserung

Deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konnten nun erstmalig in einem großen Vergleich nachweisbare Effekte von psychotherapeutischen Behandlungen belegen. Insgesamt wurden 242 erwachsene magersüchtige Frauen in dieser weltweit größten Studie zu dem Krankheitsbild Magersucht über zwei Jahre ambulant psychotherapeutisch begleitet. Während und nach der Therapie wurde untersucht, wie es den Patientinnen geht. Mussten sie aufgrund ihrer Mangelernährung ins Krankenhaus eingewiesen werden, um dort stationär behandelt zu werden? Oder haben sie ohne weitere Zwischenfälle kontinuierlich zugenommen?
Um die bisher gängige Therapie mit zwei neuen, angepassten Therapien vergleichen zu können, wurden Behandlungsmanuale entwickelt und Therapeutinnen und Therapeuten in diesen neuen psychotherapeutischen Verfahren trainiert. Für eine entsprechende Qualitätssicherung wurden die Therapien aufgezeichnet und engmaschig supervidiert. Alle 242 Frauen wurden psychotherapeutisch behandelt, nur eben mit unterschiedlichen Therapieformen. Es gab drei Gruppen: Die Patientinnen in der ersten Gruppe wurden mit einer optimierten Standardtherapie behandelt; das heißt, dass die Patientinnen neben der bisher üblichen psychotherapeutischen Behandlung einmal monatlich hausärztlich untersucht wurden. Dabei erhielten die Hausärzte klare Anweisungen, wie sie mit kritischen Verläufen umzugehen hatten und wie sie von den entsprechenden Studienzentren Unterstützung bekommen konnten.
In Gruppe zwei sollte primär das Essverhalten der Patientinnen normalisiert werden. Die Symptome der Magersucht standen hier im Vordergrund. Gleichzeitig wurden die Patientinnen dabei unterstützt, mit der Essstörung verknüpfte Problembereiche wie beispielsweise ihre soziale Kompetenz aktiv zu verbessern. Bei dieser Therapie handelt sich um eine kognitive Verhaltenstherapie.
Die dritte Gruppe schließlich erhielt eine sogenannte fokale psychodynamische Therapie. Sie hat sich aus der Psychoanalyse heraus entwickelt. Diese Therapieform beschäftigt sich vorrangig mit den Ursachen der Magersucht und bereitet die Patientin in regelmäßigen Sitzungen speziell auf den Alltag nach Therapieende vor. Dafür sollen vor allem die emotionale Verarbeitung der Patientin gefestigt und ihre Beziehungsmuster zu Eltern, Partnern und Freunden positiv entwickelt werden.

Die Frauen legten an Gewicht zu

Die ANTOP­Studie („Anorexia Nervosa Treatment of Out Patients“) konnte nun erstmalig nachweisen, dass alle drei oben genannten Verhaltensund Psychotherapien bei erwachsenen magersüchtigen Frauen Erfolge erzielen. „In allen drei Behandlungsgruppen legten die Frauen an Gewicht zu“, erklärt Professor 
Dr. Stephan Zipfel die Ergebnisse. Er ist der ärztliche Direktor der Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsklinik Tübingen. Gemeinsam mit Professor Dr. Wolfgang Herzog, Direktor der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik der Universitätsklinik Heidelberg, leitete er die Studie. In der Vergangenheit brachen bis zur Hälfte aller Patientinnen die Therapie ab. Oder sie fasteten nach Therapieende so lange, bis die mühsam zugenommenen Pfunde wieder weg waren. „Wichtig ist deshalb, dass wir die Patientinnen während und auch ein Jahr nach Ende der Therapie untersucht haben. Nur so wissen wir, ob der Therapieerfolg länger anhält“, ergänzt Herzog.
Besonders Erfolg versprechend sind die Ergebnisse der dritten Gruppe. In dieser Gruppe mussten weniger Frauen während der Behandlung ins Krankenhaus eingewiesen werden als in den beiden anderen Gruppen. Auch die kognitive Verhaltenstherapie der zweiten Gruppe führte zu einer Gewichtszunahme. Diese war zwar zu Anfang der Therapie sogar deutlicher als in den beiden anderen Gruppen, flachte jedoch insbesondere nach Therapieende wieder ab. Generell war die Gewichtszunahme aber in beiden Gruppen auch nach einem Jahr noch messbar. Auch die Akzeptanz der beiden neuen Therapieformen, also der kognitiven Verhaltenstherapie und der fokalen psychodynamischen Therapie, war sehr hoch. „Das ist gerade bei psychischen Behandlungen besonders wichtig, weil der Behandlungserfolg davon abhängt, ob die Patientinnen bereit sind, etwas zu ändern“, so Zipfel.
Auch Melissa hat wieder zugenommen. Sie weiß auch mittlerweile, dass sie die zusätzlichen Kilos braucht, um gesund zu bleiben. Der Rock, der ihr damals zu klein war, flattert ihr zwar immer noch unförmig um die Beine. Aber sie ist auf einem guten Weg. „Wir freuen uns, dass uns das Bundesforschungsministerium finanziell so unterstützt hat, dass wir jetzt sogar nach zwei Jahren nochmal schauen konnten, ob Frauen wie Melissa S. wirklich langfristig geholfen werden kann“, sagt Herzog.

Forschungsverbund Essstörungen

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert seit 2006 fünf Forschungsverbünde zur Psychotherapie. Das Ziel dieser Fördermaßnahme ist es, die Wirksamkeit psychotherapeutischer Ansätze bei verschiedenen psychischen Erkrankungen, darunter Aufmerksamkeitsstörungen, soziale Phobie, Essstörungen, Schizophrenie und Panikstörungen, zu überprüfen. Der Verbund „Eating Disorders Diagnostic and Treatment Network“ (EDNET) ist einer von ihnen. Er vereint international anerkannte deutsche Forscherinnen und Forscher auf dem Gebiet der Essstörungen. Die in diesem Beitrag vorgestellte Studie bei ambulanten Patientinnen mit Anorexia Nervosa ist ein Bestandteil dieses Forschungsverbundes.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Stephan Zipfel
Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Universitätsklinik Tübingen Osianderstraße 5
72076 Tübingen
Tel.: 07071 29-86719
Fax: 07071 29-4541
E-­Mail: antop.ednet@med.uni-tuebingen.de

Prof. Dr. Wolfgang Herzog
Psychosomatische und Allgemeine Klinische Medizin
Medizinische Klinik
Im Neuenheimer Feld 410
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 56­8649
Fax: 06221 56-5749
E­-Mail: wolfgang.herzog@med.uni-heidelberg.de

Quelle Bundesministerium für Bildung und Forschung

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Sonntag, 13. April 2014

Vererbte Traumata

Eidgenössische Technische Hochschule Zürich
Extreme Erlebnisse verändern die Betroffenen. Und oftmals auch Jahre später ihre Kinder. Forschende der Universität und ETH Zürich haben nun einen Puzzlestein entlarvt, wie die Vererbung von Traumata zustande kommen könnte.

In der Psychologie ist das Phänomen schon lange bekannt: Traumatische Erlebnisse lösen Verhaltensauffälligkeiten aus, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Dass physiologische Vorgänge dahinterstecken, beginnen Wissenschaftler erst langsam zu verstehen. «Es gibt Erkrankungen, wie zum Beispiel bipolare Störungen, die familiär auftreten, aber nicht auf ein bestimmtes Gen zurückzuführen sind», erklärt Isabelle Mansuy, Professorin an der ETH und Universität Zürich. Mit ihrer Forschungsgruppe am Institut für Hirnforschung der Universität Zürich untersucht sie die molekularen Prozesse der nicht-genetischen Vererbung von Verhaltensveränderungen nach extremen Stresserfahrungen.



Nun ist es den Forschenden um Mansuy gelungen, eine wichtige Komponente dieses Phänomens zu identifizieren: kurze RNA-Moleküle. Diese werden durch Enzyme hergestellt, welche einzelne Abschnitte der Erbinformation (DNA) ablesen und anhand dieser Vorlage RNA produzieren. Andere Enzyme schneiden anschliessend diese RNAs zurecht, so dass daraus eine Vielzahl verschiedener als Micro-RNAs bezeichneten Moleküle entstehen. Diese kommen natürlicherweise in Zellen vor und übernehmen regulierende Aufgaben, beispielsweise steuern sie, wie viele Kopien eines bestimmten Proteins produziert werden.

Kleine RNAs mit grosser Wirkung

Mansuy und ihr Team untersuchten die Anzahl und Art verschiedener Micro-RNAs in Mäusen, die sie stressigen Situationen ausgesetzt hatten, und verglichen die Werte mit nicht-gestressten Mäusen. Dabei entdeckten sie, dass Stress zu einem Ungleichgewicht der Micro-RNAs in Blut, Gehirn und in Spermien führt. Das heisst, von einigen Micro-RNAs gab es mehr, von anderen weniger als in entsprechenden Zellen der Kontrolltiere. Dadurch laufen Zellprozesse, die durch diese Micro-RNAs gesteuert werden, aus dem Ruder.

Nach den Stresserfahrungen verhielten sich die Mäuse deutlich anders: Sie verloren zum Teil ihre natürliche Scheu vor offenen Räumen und hellem Licht. Diese Verhaltensauffälligkeiten übertrugen sich auch auf die nächste Generation durch Spermien, obwohl der Mäusenachwuchs selbst keinem Stress ausgesetzt wurde.

Noch bis zur Enkelgeneration vererbt

Auch der Stoffwechsel des Nachwuchses der gestressten Mäuse ist beeinträchtigt: Insulin- und Blutzuckerspiegel lagen bei diesem tiefer als bei Jungtieren, deren Elterngeneration keinen Stress erfahren hatte. «Wir konnten erstmals beweisen, dass traumatische Erfahrungen den Stoffwechsel beeinträchtigen und diese Veränderungen erblich sind», sagt Mansuy. Die Stoffwechsel- und Verhaltensänderungen setzten sich sogar noch bis in die nächste Generation fort.

«Mit dem Ungleichgewicht der Micro-RNAs in Spermien haben wir einen Informationsträger entdeckt, über den Traumata vererbt werden könnten», erklärt Mansuy. Es seien jedoch noch einige Fragen offen, zum Beispiel wie genau es zu dem Ungleichgewicht der kurzen RNAs kommt. «Sehr wahrscheinlich sind sie Teil einer Wirkkette, die damit beginnt, dass der Körper zu viele Stresshormone produziert.»

Der gleiche Mechanismus könnte aber auch der Vererbung anderer erworbener Eigenschaften zugrunde liegen, vermutet die Forscherin. «Die Umwelt hinterlässt ihre Spuren im Gehirn, den Organen und auch in Keimzellen. So werden diese Spuren teilweise an die nächste Generation weitergegeben.»

Derzeit arbeiten Mansuy und ihr Team daran, die Rolle der kurzen RNAs in der Traumavererbung auch bei Menschen zu untersuchen. Da sie das Ungleichgewicht der Micro-RNAs bei Mäusen auch im Blut nachweisen konnten, sowohl bei der Eltern- als auch bei der ersten Nachwuchsgeneration, hoffen die Wissenschaftler, daraus einen Bluttest für die Diagnostik entwickeln zu können.

Quelle Informationsdienst Wissenschaft idw
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Sonntag, 6. April 2014

Gehirn bestimmt, ob man Pessimist oder Optimist ist

Für die einen ist das Glas immer halb voll, für die anderen immer halb leer. Vor allem Pessimisten würden das oft gern ändern. Doch scheint die Frage, ob wir optimistisch oder pessimistisch sind, fest im Gehirn verankert zu sein.

Psychologen von der Michigan State Universität in den USA hatten in einer Studie untersucht, wie sich Gehirnreaktionen von Optimisten und Pessimisten unterscheiden. "Dabei haben wir zum ersten Mal einen Gehirn-Marker gefunden, bei dem sich negativ denkende Menschen von positiv denkenden unterscheiden", sagt Studienleiter Jason Moser. Gemeinsam mit Kollegen hatte er rund 70 Studienteilnehmerinnen zunächst einschätzen lassen, ob sie eher positiv oder eher negativ und sorgenvoll denken, und ihnen danach verschiedene, negative Bilder gezeigt. Auf diesen war beispielsweise zu sehen, wie ein Mann einer Frau ein Messer an den Hals hielt. Die Teilnehmerinnen sollten sich dann eine positive Wendung der Szene vorstellen, zum Beispiel, dass sich die Frau von dem Mann befreien und entkommen konnte. Gleichzeitig maßen die Forscher die Hirnaktivität der Frauen.

Das Ergebnis: Frauen, die sich selbst als optimistisch eingestuft hatten, wiesen eine deutlich geringere Hirnaktivität auf als Pessimistinnen. Und bei Frauen, die negativ dachten, verstärkte sich die Aktivität paradoxerweise sogar noch, wenn sie ihre negativen Emotionen unterdrücken sollten. Es fiel ihnen offenbar schwerer, sich für eine negative Situation einen positiven Ausgang vorzustellen. "Tatsächlich scheinen sich die negativen Gefühle zu verstärken, wenn die Frauen dazu aufgefordert werden, positiv zu denken", sagt der Psychologe. Der gut gemeinte Rat, sich keine Sorgen zu machen oder etwas positiv zu sehen, helfe einem pessimistischen Menschen daher nicht immer weiter. "Ein besserer Weg wäre zum Beispiel, den Freund dazu zu ermutigen, über ein Problem auf eine andere Weise nachzudenken und andere Strategien anzuw enden", sagt Moser.

Quelle Aponet.de
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Montag, 10. März 2014

Samstag, 14. September 2013

Stress verfolgt viele Menschen in die Sommerferien

DAK-Urlaubsreport 2013: Vor allem jüngere Berufstätige können nicht vom Job abschalten

Sommer, Sonne und dennoch weiter im Stress: Vor allem jüngere Berufstätige konnten in ihrem Urlaub nicht vom Job abschalten. Fast jeder fünfte Arbeitnehmer zwischen 30 und 44 Jahren erholte sich in den Ferien nicht gut. Vor allem Frauen verfolgten die Belastungen bis in die Freizeit. Das zeigt der aktuelle Urlaubsreport 2013 der DAK-Gesundheit, eine repräsentative Forsa-Umfrage* im Auftrag der Krankenkasse.


Die größte Erholung im Sommerurlaub hatten ältere Menschen über 60 Jahre. In dieser Altersgruppe sagten nur acht Prozent der Befragten, sie hätten sich in diesem Jahr weniger gut oder überhaupt nicht erholt. Die 30- bis 44-jährigen Berufstätigen hatten mit 18 Prozent von allen Befragten die meisten Probleme beim Ausspannen.

Per Handy oder Internet erreichbar
Hauptgrund: Mehr als jeder zweite Urlauber mit einer schlechten Erholung konnte nach eigenen Angaben nicht vom Job abschalten. 26 Prozent hatten in den Ferien Stress mit der Familie oder Freunden. Jeweils 16 Prozent gaben an, dass sie krank und verletzt waren oder schlechtes Wetter hatten. 13 Prozent der Befragten mussten für ihren Arbeitgeber über Handy oder das Internet erreichbar sein.

Eigene Batterien im Urlaub aufladen
„Der Urlaubsreport 2013 zeigt, dass die Erholung eines Menschen auch stark mit seiner persönlichen Lebensphase zusammenhängt“, erklärt Diplom-Psychologe Frank Meiners von der DAK-Gesundheit. Die berufliche Herausforderung bei den 30- bis 44-Jährigen sei besonders groß. Wer auch im Urlaub an seiner Karriere arbeite, könne sich nicht richtig erholen. Dieser Aspekt sei wichtig bei der Ferienplanung und -gestaltung. „Statt ständig das Handy griffbereit zu haben, sollten besser die eigenen Batterien aufgeladen werden“, betont der Experte. „So sind wir später im Job wieder leistungsfähig und bleiben länger gesund.“

Sonne und Natur bringen meiste Erholung
Die Umfrage der DAK-Gesundheit zeigt, wie wichtig der Wegfall der beruflichen Belastung für die Erholung ist. 64 Prozent der gut erholten Urlauber gaben an, der Hauptgrund sei der fehlende Arbeitsstress gewesen. Bei den 30- bis 44-Jährigen nannten sogar 76 Prozent der Befragten diesen Grund. Am wichtigsten sind den Urlaubern Sonne und Natur sowie Zeit mit der Familie. Dies nannten 82 Prozent sowie 71 aller Befragten. Fast jeder Dritte erklärte, der Verzicht auf Handy oder Internet hätte besonders zur Erholung beigetragen.

Gezielter Stress-Abbau in den Ferien
Die meisten Deutschen nutzten ihre Sommerferien für spezielle Gesundheitsmaßnahmen. Der gezielte Abbau von Stress war den Urlaubern mit 64 Prozent noch etwas wichtiger als Bewegungs-, Sport- oder Fitnesstraining (63 Prozent). Es folgten viel Schlaf (57 Prozent) und gesunde Ernährung (55 Prozent). Nur 13 Prozent der Befragten nutzten Wellnessangebote.

Jeder zehnte Urlauber war krank
Fast jeder zehnte Urlauber war krank oder hat sich verletzt. Die meisten Betroffenen (31 Prozent) hatten in den Ferien eine Erkältung. 27 Prozent der Krankheitsfälle wurden durch einen Unfall oder Sturz ausgelöst. Einen Sonnenbrand erlitten sieben Prozent. Vier Prozent hatten psychische Probleme wie z.B. Depressionen. Während in Bayern nur fünf Prozent der Urlauber in den Ferien krank wurde, waren es in Norddeutschland 14 Prozent.

Quelle DAK Pressemitteilungen
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Sonntag, 21. Juli 2013

Gewaltstudie Kinder 2013

Schläge sind für ein Viertel der Kinder und Jugendlichen in Deutschland Alltag
Studie der Universität Bielefeld im Auftrag der Bepanthen-Kinderförderung deckt hohes Gewaltniveau auf – sozial benachteiligte Kinder besonders betroffen / Konflikt-Training für Arche-Kinder hilft mit Gewalterfahrungen umzugehen / Schirmherrin Katharina Saalfrank ruft zum Umdenken auf

Leverkusen, 3. Juni 2013 – Gewalt ist in Deutschland für viele Heranwachsende erschreckender Alltag. Fast ein Viertel (22,3%) wird von Erwachsenen oft oder manchmal geschlagen; 28% davon sind Kinder ab sechs Jahren, etwa 17% Jugendliche. Überraschend ist dieses Ergebnis vor allem deshalb, weil es bereits seit 13 Jahren ein gesetzlich verankertes Recht auf eine gewaltfreie Erziehung gibt . Die „Gewaltstudie 2013“ der Universität Bielefeld hat im Auftrag der Bepanthen-Kinderförderung untersucht, wie präsent Gewalt- und Missachtungserfahrungen von Kindern und Jugendlichen in Deutschland heute noch sind und inwiefern sie von Armutslagen abhängen. Die Studie ist einzigartig, weil bislang zum ersten Mal bereits Kinder ab sechs Jahren befragt wurden. In der zweiten Altersgruppe wurden Jugendliche bis einschließlich 16 Jahre befragt. Die Studie ist mit 900 Teilnehmern bevölkerungsrepräsentativ.

Kinder in Armutslagen werden öfter und härter geschlagen
Auch wenn Heranwachsende aus allen Schichten Gewalterfahrungen machen, lassen sich doch eindeutige soziale Unterschiede feststellen. „Vor allem Kinder aus prekären Lebenslagen werden häufiger und offenbar auch in höherer Intensität geschlagen als Kinder, deren sozialer Status durchschnittlich oder privilegiert ist“, bestätigt Studienleiter Prof. Dr. Holger Ziegler, Fakultät für Erziehungswissenschaft der Universität Bielefeld. Insgesamt geben 32,5% der sozial benachteiligten Kinder an, oft oder manchmal von Erwachsenen geschlagen worden zu sein – 17,1% sogar so heftig, dass sie blaue Flecken hatten. Bei den durchschnittlich bis privilegiert gestellten Kindern kommt das weitaus weniger häufig vor (6,6% und 1,4%). Im Vergleich zu den Kindern sind die Gewalterfahrungen von Jugendlichen zwar auch, jedoch weniger eindeutig mit dem sozioökonomischen Status assoziiert. 22,1% der sozial benachteiligten im Vergleich zu 17,9% der privilegierten Jugendlichen berichten, oft oder manchmal geschlagen zu werden. 6,4% der sozial benachteiligten Jugendlichen hatten anschließend blaue Flecken – im Gegensatz zu 3% der privilegierten.

Dumm, faul und weniger wert
Gewalt äußert sich jedoch nicht nur durch Schläge, sondern auch durch (verbale) Missachtung. Ein Viertel aller befragten Heranwachsenden (25,1%) hat die Erfahrung gemacht, von Erwachsenen als „dumm“ oder „faul“ beschimpft zu werden (26,7% Kinder, 23,9% Jugendliche). Ein Fünftel gibt an, dass Erwachsene ihnen das Gefühl geben, weniger wert zu sein. Bei den Kindern werden erneut sozioökonomische Unterschiede sichtbar: Mit 23,6% sind sozial benachteiligte Kinder im Vergleich zu den privilegierten Kindern (9,9%) mehr als doppelt so häufig dieser Erfahrung ausgesetzt. Bei den Jugendlichen ist das hohe Gesamtniveau über alle Schichten hinweg erschreckend: Knapp 24% wurden von Erwachsenen schon mal als „dumm“ oder „faul“ bezeichnet, 26% haben das Gefühl, weniger wert zu sein. Erziehungswissenschaftler Prof. Ziegler: „Wir wissen, dass sich solche verbalen Missachtungserfahrungen deutlich – und unter Umständen auch stärker als körperliche Gewalterfahrungen – auf das Ausmaß emotionaler Probleme, das Wohlbefinden oder Selbstvertrauen der Heranwachsenden auswirken.“

Privilegierte Kinder in der Schule bevorzugt?
Auch im schulischen Umfeld spielen Missachtungserfahrungen eine Rolle – die erlebte Fairness im Klassenzimmer ist sozial sehr ungleich verteilt. 45% der Kinder aus prekären Lebenslagen berichten, dass LehrerInnen bestimmte Schüler besser behandeln – bei den privilegierten Kindern empfinden das nur 22,6% so. Fast dreimal so viele der sozial benachteiligten Kinder (14,4%) im Vergleich zu den privilegierten Kindern (4,9%) geben an, Angst vor dem Klassenlehrer zu haben. Fast ein Viertel hat das Gefühl, unfair behandelt zu werden. Jugendliche nehmen ihre LehrerInnen als noch weniger fair wahr, die Unterschiede nach sozialer Lage sind jedoch weniger stark ausgeprägt: 55% der Jugendlichen aus prekärer Lage geben an, dass bestimmte Schüler besser behandelt werden; in der Gruppe der Privilegierten sind es 51,9%.

Soziales Gefälle auch beim Mobbing
Sozial benachteiligte Heranwachsende machen stärkere Mobbingerfahrungen durch Peers als privilegierte. So berichten 70,6% der Kinder davon, zumindest manchmal von anderen gehänselt oder beleidigt worden zu sein, im Vergleich zu knapp 60% der privilegierten Kinder. Davon geben 15,3% der sozial benachteiligten Kinder und 14,3% der Jugendlichen gegenüber 6,3% der privilegierten Kinder bzw. 5,9% der privilegierten Jugendlichen an, oft gehänselt oder beleidigt zu werden. Mit Absicht nicht beachtet zu werden, erleben knapp 11% der sozial benachteiligten Kinder im Gegensatz zu 2,1% der privilegierten Kinder. Bei den Jugendlichen ist das Verhältnis ähnlich (10,1% vs. 3%).

Eltern-Kind-Beziehung wichtig
Gewalt- und Missachtungserfahrungen bleiben nicht ohne Folgen – das weiß auch Diplom-Pädagogin Katharina Saalfrank. Die neue Schirmherrin der Bepanthen-Kinderförderung will für das Tabuthema „Gewalt in der Familie“ ein öffentliches Bewusstsein schaffen und sieht ihre Aufgabe darin, Eltern bei ihrer Eltern-Kind-Beziehung zu begleiten und zu unterstützen: „Kinder und Jugendliche kommen nicht gewalttätig auf die Welt und ihr Verhalten hat immer einen Grund. Wenn sie in ihren ersten Beziehungen – also durch Eltern oder Familie – Gewalt oder Missachtung erleben, integrieren sie diese Erfahrungen in sich und entwickeln ein nur sehr geringes Selbstwertgefühl. Dieses kompensieren sie dann mit Gewalt und übernehmen so diese gelernten Muster in ihr eigenes Handeln“, sagt Saalfrank, die in der Familienberatung tätig ist.

In der Gewaltstudie zeigen sich bei der Elternbeziehung statistisch bedeutsame Unterschiede nach sozioökonomischen Status. Die Frage, ob Eltern gegebene Versprechen einhalten, verneinen etwa 40% der Kinder aus prekären Lebenslagen – im Gegensatz zu rund 20% der privilegierten Kinder. Nur knapp die Hälfte der sozial benachteiligten Kinder wird regelmäßig von den Eltern nach ihrer Meinung gefragt; bei Kindern mit privilegiertem Hintergrund sind es hingegen zwei Drittel. Rund 30% der sozial benachteiligten Jugendlichen berichten ebenfalls davon, sich nicht auf Versprechen ihrer Eltern verlassen zu können und mehr als 40% haben das Gefühl, die Erwartungen der Eltern nicht erfüllen zu können; bei den privilegierten Jugendlichen sind es unter 30%.

Kein eigenes Zimmer, nicht genügend Geld
Die sozioökonomische Lage der Familie wird auch von den jungen Menschen selbst ganz unmittelbar wahrgenommen. Mehr als ein Viertel (27%) der Kinder und Jugendlichen aus prekären Lebenslagen hat kein eigenes Zimmer, im Gegensatz zu nur 2% der privilegierten und 5% der durchschnittlich gestellten Heranwachsenden. Bereits jedes fünfte Kind (21,4%) aus prekären Lebenslagen ist sich bewusst, dass die eigene Familie nicht genügend Geld hat, um sich alles leisten zu können. Von den privilegierten Kindern macht nur jedes 50. Kind (2%) eine solche Erfahrung.

Bepanthen-Kinderförderung unterstützt Arche-Kinder
Die „Gewaltstudie 2013“ belegt, dass Gewalt und Missachtung für viele Kinder und Jugendliche zum Alltag gehören. Um vor allem den häufig betroffenen sozial benachteiligen Kindern eine Möglichkeit der Verarbeitung solcher Erlebnisse zu geben, hat die Bepanthen-Kinderförderung im Mai 2013 ein bundesweites Konflikt-Training an 13 Standorten des Kinder- und Jugendwerks „Die Arche“ gestartet. „Die Kinder können in diesem Rahmen begleitet ihre Erfahrungen im geschützten Raum der Arche ansprechen – und auch verstehen, dass jede Gewalt an ihnen eine Grenzüberschreitung bedeutet und nicht ok ist und Unrecht bedeutet“, so Saalfrank.

Sowohl die Schirmherrin als auch Studienleiter Holger Ziegler wünschen sich mehr öffentliche Aufmerksamkeit für das Tabuthema Gewalt. „Denn Gewalt an Kindern in jeglicher Form ist nicht nur gesetzlich verboten, sondern beeinträchtigt vor allem die Entwicklung von Kindern nachhaltig. Jeder Schlag hinterlässt tiefe Schrammen auf der Seele. Im Sinne der Kinder müssen wir als Gesellschaft die wissenschaftlichen Erkenntnisse über gesundes Aufwachsen von Kindern endlich in die pädagogische Praxis integrieren und ein Umdenken als notwendige, gesellschaftliche Aufgabe begreifen“, betonen die Diplom-Pädagogin und der Erziehungswissenschaftler.

Die Bepanthen-Kinderförderung setzt sich seit 2008 für sozial benachteiligte Kinder in Deutschland ein und unterstützt die Arche mit Förderprogrammen und jährlichen Geldspenden. Derzeit sind 2,5 Millionen Kinder hierzulande von Armut betroffen. Weitere Informationen unter www.kinderförderung.org.

Über Bayer HealthCare Deutschland
Bayer HealthCare Deutschland vertreibt die Produkte der in der Bayer HealthCare AG zusammengeführten Divisionen Animal Health, Consumer Care, Medical Care (Diabetes Care und Radiology & Interventional) und Pharmaceuticals. Das Unternehmen konzentriert sich auf das Ziel, in Deutschland innovative Produkte in Zusammenarbeit mit den Partnern im Gesundheitswesen zu erforschen und Ärzten, Apothekern und Patienten anzubieten. Die Produkte dienen der Diagnose, der Vorsorge und der Behandlung akuter und chronischer Erkrankungen sowohl in der Human- als auch in der Tiermedizin. Damit will Bayer HealthCare Deutschland einen nachhaltigen Beitrag leisten, die Gesundheit von Mensch und Tier zu verbessern.


Quelle mit freundlicher Genehmigung Bayer HealthCare


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Sonntag, 23. Juni 2013

Selbstmord: Studie hinterfragt die Gründe

Juni 2013
Nimmt sich ein nahestehender Mensch aus Familie oder Freundeskreis das Leben, ist dies immer eine schreckliche Tragödie. Oft bleibt die Frage nach dem Warum. Eine neue Studie kanadischer Wissenschaftler fand ungewöhnliche Antworten darauf, die helfen könnten, Selbstmorden vorzubeugen.
Die Forscher der University of British Columbia hatten 120 Studenten mittels eines eigens entwickelten, wissenschaftlich getesteten Fragebogens befragt. Die Teilnehmer hatten innerhalb der vorangegangenen drei Jahre einen Selbstmordversuch mit dem klaren Ziel zu sterben unternommen. Es stellte sich heraus, das viele Gründe, von denen man allgemein annimmt, dass sie eine wichtige Rolle bei diesem drastischen Schritt spielen, bei den Studenten relativ selten vorkamen. So waren Selbstmordversuche nur selten das Resultat von Impulsivität, ein Hilfeschrei oder der Versuch, finanziellen oder anders gearteten Problemen zu entkommen, schreiben die Forscher. Zwei Beweggründe, die dagegen durchgängig genannt wurden, waren Hoffnungslosigkeit und überwältigendes emotionales Leid. Standen diese inneren Faktoren im Vordergrund, war der Wunsch zu sterben bei den Selbstmordversuchen am größten, so die Forscher.

Damit liefere ihre Arbeit Ärzten und Wissenschaftlern ein neues Hilfsmittel, um Selbstmorden besser vorzubeugen, die Behandlung zu verbessern und die Wahrscheinlichkeit für weitere Versuche zu verringern, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt Suicide and Life-Threatening Behavior. "Zu wissen, warum sich jemand das Leben nehmen möchte, ist von entscheidender Bedeutung, denn es sagt uns, wie wir ihm am besten helfen können", sagt der Psychologe David Klonsky.

Quelle Aponet.de HH

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Sonntag, 24. März 2013

Ein kleiner Konzentrationstest zum Ausprobieren. Es ist etwas schwierig, aber nicht unmöglich.
Konzentrieren sie sich bei diesem Video ausschließlich auf die weißen Mitspieler des Basketballspiels und versuchen sie die Anzahl der Pässe des weißen Teams zu zählen.







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Dienstag, 29. Januar 2013

Arztreport 2013 - Schwerpunktthema ADHS

Berlin (29.01.2013). In Deutschland wächst eine "Generation ADHS" heran: Unter Kindern und Jugendlichen bis 19 Jahre – so der heute in Berlin vorgestellte Arztreport 2013 der Barmer GEK – kletterte die Zahl diagnostizierter Aufmerksamkeits-/Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) zwischen 2006 und 2011 von 2,92 auf 4,14 Prozent. Das entspricht einem Zuwachs von 42 Prozent. Altersübergreifend ist der Bevölkerungsanteil mit einer ADHS-Diagnose sogar um 49 Prozent gestiegen (von 0,61 auf 0,92 Prozent der Bevölkerung).

Im Jahr 2011 wurde ADHS bei rund 750.000 Personen festgestellt (552.000 Männer, 197.000 Frauen). Mit rund 620.000 Personen entfiel das Gros auf die Altersgruppe bis 19 Jahre (472.000 Jungen, 149.000 Mädchen). Besonders hohe Diagnoseraten seien zum Ende des Grundschulalters vor dem Übergang auf weiterführende Schulen zu verzeichnen, so die Reportautoren Dr. Thomas G. Grobe und Prof. Dr. Friedrich W. Schwartz vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung (ISEG) in Hannover. Dies könne unter anderem auch die Erwartungshaltungen der Eltern widerspiegeln. "In Deutschland wird immer häufiger ADHS diagnostiziert, obwohl das öffentliche und fachliche Bewusstsein für dieses Erkrankungsbild bei uns schon seit mehr als einem Jahrzehnt hoch ist", so Schwartz.


Dr. Rolf-Ulrich Schlenker, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Barmer GEK, sieht die Entwicklung der Diagnoseraten mit Sorge: "Dieser Anstieg erscheint inflationär. Wir müssen aufpassen, dass ADHS-Diagnostik nicht aus dem Ruder läuft und wir eine ADHS-Generation fabrizieren. Pillen gegen Erziehungsprobleme sind der falsche Weg." Es komme auf trennscharfe Diagnosen an. Außerdem gebe es eine Reihe von Therapieoptionen wie zum Beispiel ein effektives Elterntraining oder Verhaltenstherapie. "Ritalin darf nicht per se das Mittel der ersten Wahl sein."

Junge Eltern überfordert?
Die Wissenschaftler aus Hannover ermittelten erstmals einige Eltern-abhängige Faktoren, die das Risiko für eine ADHS-Diagnose und die Verordnung von Medikamenten mit Methylphenidat bei Kindern beeinflussen. Demnach gibt es mit steigendem Ausbildungsniveau der Eltern ein sinkendes Risiko. Kinder arbeitsloser Eltern sind häufiger betroffen, ADHS wird bei Kindern von Gutverdienern tendenziell seltener diagnostiziert. Auch gibt es Hinweise darauf, dass Kinder jüngerer Eltern ein höheres Diagnose-Risiko haben als diejenigen von Eltern mittleren Alters. So erhalten Kinder mit einem Elternteil im Alter zwischen 20 und 24 Jahren etwa 1,5 mal häufiger eine ADHS-Diagnose als Kinder mit Eltern zwischen 30 und 35 Jahren. "Ob das an einer größeren Gelassenheit von Eltern im fortgeschrittenen Alter liegt oder an Erziehungsproblemen jüngerer, bleibt offen", sagt Schlenker.

ADHS-Hochburg Würzburg
Auffällig sind auch die regionalen Unterschiede, wobei die Region Würzburg hervorsticht, so Grobe. Während die ADHS-Diagnoserate bei Jungen im Alter von zehn bis zwölf Jahren im Jahr 2011 im Bundesdurchschnitt bei knapp 12 Prozent lag, haben Ärzte in Unterfranken diese Diagnose bei 18,8 Prozent der Jungen dieser Altersgruppe gestellt. Bei Mädchen waren es bundesdurchschnittlich ca. 4 Prozent gegenüber 8,8 Prozent in Unterfranken. Bei der Arzneimitteltherapie tritt der Unterschied noch deutlicher zutage: Im Alter von zehn bis zwölf Jahren erhielten bundesweit rund 6,5 Prozent der Jungen eine Verordnung – in Unterfranken waren es mit 13,3 Prozent mehr als doppelt soviel (Mädchen ca. 5,5 Prozent vs. 2 Prozent im Bundesdurchschnitt). "Auffällig sind jedenfalls die gegenüber dem Bundesdurchschnitt höheren Diagnoseraten der Hausärzte und speziell der Kinder- und Jugendpsychiater." Letztlich blieben die Ursachen für den ADHS-Boom im Raum Würzburg aber unklar, so Schlenker.

Jeder fünfte Junge mit ADHS-Diagnose, jeder zehnte mit Ritalin-Rezept
In der bundesweiten Verlaufsbetrachtung erhöht sich der Anteil noch einmal: So waren fast 20 Prozent aller Jungen, die im Jahr 2000 geboren wurden, zwischen 2006 und 2011 von einer ADHS-Diagnose betroffen. Bei den Mädchen dieses Jahrgangs waren es 7,8 Prozent. Im Laufe ihres Lebens müssen nach ISEG-Schätzungen ein Viertel aller Männer und mehr als 10 Prozent aller Frauen mit einer ADHS-Diagnose rechnen. Bleiben bei den Berechnungen Personen mit nur einmaliger Diagnose unberücksichtigt, sind nach ISEG-Schätzungen immer noch rund 20 Prozent der Männer und 8 Prozent der Frauen betroffen.

Die Verordnungsraten von Methylphenidat, besser bekannt unter dem Handelsnamen Ritalin, sind zwischen 2006 und 2011 gestiegen, wobei die Menge der verordneten Tagesdosen nach 2010 erstmals zurückging. Die höchsten Verordnungsraten finden sich im Alter von elf Jahren. In diesem Alter erhielten 2011 rund 7 Prozent der Jungen und 2 Prozent der Mädchen eine Verordnung. Insgesamt wurde Methylphenidat rund 336.000 Personen verschrieben. Im Laufe der Kindheit und Jugend dürften damit schätzungsweise 10 Prozent aller Jungen und 3,5 Prozent aller Mädchen mindestens einmal Methylphenidat erhalten.

Detailgenaues Bild ärztlicher Versorgung: Kontaktraten weiter hoch
Neben dem Schwerpunktthema ADHS zeichnet der BARMER GEK Arztreport ein detailliertes Bild der ambulanten ärztlichen Versorgung in Deutschland. Demnach gibt es 2011 eine Behandlungsrate von 92,4 Prozent. Nur knapp 8 Prozent der Bevölkerung hatten damit keinen Kontakt zu einem Arzt. Im statistischen Durchschnitt wurden für jeden Versicherten 2011 pro Quartal etwas mehr als zwei Behandlungsfälle abgerechnet, im gesamten Jahr 8,23 Behandlungsfälle (absolut 673 Millionen Fälle) und damit etwas mehr als 2010. Die Zahl der Arztkontakte – nur abzuschätzen durch Rückschlüsse aus den Behandlungsfällen – dürfte weiterhin auf dem hohen Niveau von 2008 liegen, als 18,1 Kontakte ermittelt worden waren.

Ob der Wegfall der Praxisgebühr zum 1. Januar 2013 zu einer höheren Inanspruchnahme von Fachärzten unter Umgehung von Hausärzten führt, bleibt bisher noch Spekulation. Belastbare Zahlen werden frühestens im Jahr 2014 erwartet.


Quelle Barmer-GEK

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Dienstag, 15. Januar 2013

Depression nach Herzinfarkt:

Wahrnehmung der Bedrohung entscheidend für Genesung

Einer aktuellen Forschungspublikation zufolge weisen Patienten, die unmittelbar nach ihrem Herzinfarkt diesen als starke Bedrohung empfinden, ein höheres Depressionsrisiko auf. Die Ergebnisse dieser Studie können entscheidend zu einer besseren Betreuung von Herzpatienten beitragen. „Überlebende eines Herzinfarkts erkranken in den ersten sechs Monaten nach ihrem Herzinfarkt dreimal häufiger an Depressionen als Menschen ohne Herzerkrankung. Ohne Behandlung verschlechtert sich die Prognose und führt zum Beispiel zu weiteren kardialen Ereignissen und möglicherweise auch zum Tod. Die Ursachen für das häufige Auftreten von Depressionen nach Herzinfarkten sind noch unklar“, so Prof. Claus Vögele, Erstautor und Professor für Klinische Psychologie und Gesundheitspsychologie an der Universität Luxemburg.

36 Herzpatienten wurden fünf bis fünfzehn Tage nach ihrem ersten Herzinfarkt, sechs bis acht Wochen später und noch einmal sechs Monate später zu ihren krankheitsspezifischen Symptomen sowie zu ihrer Müdigkeit, allgemeinen Gesundheit, Arbeit und Familie befragt. Depressivität wurde mit Fragebögen bewertet, die Depressionsdiagnosen wurden anhand eines strukturierten klinischen Interviews erstellt. Um die individuellen Strategien der Patienten für die Verarbeitung ihrer Erfahrungen zu untersuchen, wurde sie unter anderem dazu befragt, wie häufig und intensiv sie über den Herzinfarkt nachgrübeln, oder ob sie die erfahrene Bedrohung minimieren, sie versuchen sich Informationen zu beschaffen oder einen Sinn in der Religion suchen.

Die Ergebnisse gehören zu den ersten, die zeigen, dass die Art und Weise, in der Patienten mit einem Herzinfarkt umgehen, unmittelbare Auswirkungen auf die Wahrscheinlichkeit einer Depression hat. Wenn sie den Herzinfarkt zum Beispiel weiterhin als ernste Bedrohung wahrnehmen, werden sie mit einer höheren Wahrscheinlichkeit – selbst noch Wochen nach dem Infarkt – an Depressionen erkranken. Wenn die Patienten andererseits Wege finden, sich auf ihre Genesung zu konzentrieren, und Freunde und Familie um Unterstützung bitten können, ist die Depressionsgefahr wesentlich geringer.

„Mit diesen Ergebnissen kann Patienten zu einer positiveren Lebensperspektive verholfen werden, selbst nach einem so lebensbedrohenden Ereignis“, erklärt Prof. Vögele, der an der Universität Luxemburg eine Forschungsgruppe zu Selbstregulation und Gesundheit leitet. „Psychologische Hilfe in der Zeit direkt nach dem Infarkt, zum Beispiel in den ersten beiden Wochen, kann Patienten vor einer Depression schützen und so zu einer erfolgreichen Genesung beitragen.“

Quelle Informationsdienst Wissenschaft idw
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