Sonntag, 22. August 2010

Depressionen und Diabetes

Berlin, August 2010 – Menschen mit Depressionen haben ein erhöhtes Risiko, an der Zuckerkrankheit Typ-2-Diabetes mellitus zu erkranken. Aber auch eine bestehende Diabetes-Erkrankung erhöht das Risiko, eine Depression zu entwickeln. Kommen beide Erkrankungen zusammen, potenzieren sich die negativen Folgen für Lebensqualität und Lebensdauer der Betroffenen. diabetesDE und die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) fordern deshalb eine bessere psychologische Betreuung von Diabetikern.


Das erhöhte Risiko von Diabetikern, an Depressionen zu erkranken und die negativen Auswirkungen beim Vorliegen beider Erkrankungen sind durch Studien gut belegt. Diese addieren sich nicht nur, sie potenzieren sich: Im Vergleich mit Diabetikern ohne Depressionen leiden depressive Diabetiker elf Mal häufiger unter Komplikationen an den kleinen Blutgefäßen. Die Gefahr von Schädigungen an den großen Gefäßen, die zu Durchblutungsstörungen oder Herzinfarkt führen können, ist um das 2,5-Fache erhöht.


Jede chronische Erkrankung kann das Risiko für eine Depression oder depressive Verstimmungen erhöhen. Die negativen Folgen sind bei Diabetes jedoch besonders hoch: Eine erfolgreiche Behandlung des Diabetes erfordert die aktive Mitarbeit des Patienten. „Depressionen stellen hierbei ein große Barriere dar, da sie sowohl die Motivation zur Behandlung als auch die Durchführung der Therapiemaßnahmen nachhaltig erschweren“, betont Mit-Autor PD Dr. Bernhard Kulzer, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Psychologie und Verhaltensmedizin der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) und Geschäftsführer des Forschungsinstitutes der Diabetes-Akademie Bad Mergentheim (FIDAM), in einer aktuellen Veröffentlichung. Damit steige die Gefahr von Spätkomplikationen des Diabetes wie Verlust des Augenlichts, Fußamputation oder Dialysepflicht. Auch die Schwankungen im Blutzucker, die bei vielen Diabetikern auftreten, belasten die Betroffenen emotional.


Umgekehrt haben Menschen mit Depressionen ein erhöhtes Risiko an einem Typ-2-Diabetes zu erkranken. Das liegt zum einen daran, dass die Depression die Risikofaktoren Übergewicht und Bewegungsmangel verstärkt. Außerdem ist die psychische Erkrankung selber ein unabhängiger Risikofaktor: Depressive Störungen können mit einem stressbedingten Anstieg der Kortisolwerte im Blut einhergehen. Dieses Hormon fördert die sogenannte Insulinresistenz, das heißt das körpereigene Insulin ist vorhanden, führt aber nicht in ausreichendem Maße zum Einbau des Zuckers aus dem Blut in die Körperzellen.


diabetesDE und DDG fordern deshalb, dass Menschen mit Depressionen gezielt auf einen Typ-2-Diabetes untersucht werden. Betroffene Diabetiker benötigen außerdem eine psychologische Betreuung, vor allem zu Beginn der Erkrankung, und wenn erstmals Spätkomplikationen auftreten. Ein Verzicht auf eine psychologische Betreuung verschlechtert nicht nur Lebensqualität und Lebensdauer der Diabetiker. Eine fehlende Intervention macht die Krankheit wahrscheinlich auch teurer. US-Studien belegen, dass die Kosten für die Behandlung von depressiven Diabetespatienten um ein Vielfaches höher liegen als bei Diabetikern ohne Depression.

Quelle Deutsche Diabetes Gesellschaft

Kommentare:

Dennis Schulz hat gesagt…

Bei vielen Erkrankungen wird die psychische Komponente meist sträflich vernachlässigt. Dabei könnten insbesondere chronische Erkrankungen wie z. B. auch Neurodermitis durch Psychotherapie deutlich in ihren Ausmaßen verbessert vielleicht sogar geheilt werden. Deswegen finde ich ihren Beitrag klasse und begrüße die Kernaussage das psychologische Therapien ebenso wichtig sind wie schulmedizinische Ansätze.
Gruß
Dennis Schulz

Dietmar hat gesagt…

Dem kann ich mich nur anschließen. Bei zahlreichen Erkrankungen dürfte eine ganzheitliche Betrachtung wesentlich effektiver sein als die Konzentration auf rein schulmedizinische Aspekte. In der Praxis wird der psych. Anteil vieler Erkrankungen -sie nannten das Paradebeispiel allergischer Reaktionen- aber häufig vernachlässigt. Dies ergibt sich logischerweise schon aus dem grundsätzlichen Aufbau unseres Gesundheitssystems. Und welcher Arzt nimmt sich schon noch die Zeit, sich wirklich intensiv mit einem Patienten auseinander zu setzen.

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